Methusalems Geheimnis: Die Heilkraft sardischer Pflanzen

Hilft besser als manches teuere Medikament gegen viele Hautkrankheiten: die Essenzen des „Blauen Mauerpfeffers“. Foto © Ulf Lüdeke

Sardinien ist vor allem für gediegene Traumstrände und archaisches Inland bekannt. Was viele nicht wissen: die Insel ist ein paradiesischer Garten voller Heilkräuter, die seit Ewigkeiten fest in der traditionellen Medizin verankert sind. Nirgendwo sonst gibt es mehr Hundertjährige als hier.

Sie sehen aus wie Hunderttausende kleiner roter Pfefferkörner, die ein Verschwender einfach über dem Erdboden verstreut hat – die Teppiche von Sedum caeruleum L., die im Frühjahr ganze Felsrücken verzieren – in Europa in der südlichen Mittelmeerregion.

Dieses Dickblattgewächs, auch „Blauer Mauerpfeffer“ oder „Fetthenne“ genannt,  wirkt durch seine leuchtende, ungewöhnliche Farbe in der meist nur bis Anfang Mai grünen, sardischen Frühlingsflora wie eine Mischung aus Märchenpflanze und außerirdischem Gewächs.

Im Gegensatz zu den meisten anderen, über 450 Sedum-Varianten wird sie selten höher als zehn Zentimeter – und krönt sich mit kleinen, nicht mal ein Zentimeter breiten, fliederfarbenen, schmalen Blütenblättern, die graziös und sternförmig den Stempel rahmen.

Im Volksmund in Italien erba della Madonna (Madonnenkraut) oder erba dei calli (Schwielenkraut) genannt, wurden und werden die Essenzen der dicken, stark wasserhaltigen Blätter vor allem zur besseren Wundheilung, gegen Magengeschwüre und als Entzündungshemmer gegen zahlreiche Hauterkrankungen wie Erytheme, Keratosen, Fisteln, Schwielen, Hühneraugen eingesetzt.

Vor allem in der Gallura gibt es noch heute einige Naturheiler, die nach alten, überlieferten Rezepturen Hautkrankheiten behandeln. Im Gegensatz zu anderen Gegenden sind diese traditionellen Heilpraktiker in Sardinien weit weniger umstritten und daher anerkannter als in anderen Regionen vor allem des europäischen Kontinents.

In den 80er- und 90er-Jahren gab es auch mehrere Wissenschaftler, die sich mit der Erforschung der Wirkungskraft dieser Pflanze in Sardinien beschäftigten und zahlreiche heilende Wirkungen nachwiesen – vor allem für Hautbehandlungen.

Vor allem im Landesinnern haben die Sarden noch heute ganz allgemein ein ganz besonderes Verhältnis zur Natur. Sie lachen über „Bio“-Produkte, denn „Bio“ produzieren sie selbst seit Jahrtausenden. Obgleich immer weniger Sarden in der Landwirtschaft arbeiten als früher, haben doch immer noch viele von ihnen irgendwo ein paar Landparzellen, wo sie Gemüse anpflanzen.

Oder sie kennen jemanden, der ihnen Lebensmittel privat verkauft oder schenkt. Oder sie gehen einfach in die Natur und sammeln wilden Spargel, Meerkirschen und trinken starken Rotwein, der im Ruf steht, mit einem außergewöhnlich hohen Anteil an Oxidationshemmern einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur besonderen Langlebigkeit der Sarden beitragen.

Kurzum: da ein hoher Teil der Bevölkerung sich noch immer selbst versorgt, ist „Bio“ hier normal. Die Menschen leben gesünder hier als anderswo, die Lebensmittel haben eine überdurchschnittlich hohe Qualität. Kein Wunder also, dass Sardinien (im ständigen Wettlauf mit Hokkaido) als jene Region unseres Planeten gilt, in der die meisten Hundertjährigen leben.

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