Überfischung bedroht Seeigel-Population – Tausende wollen Wahn mit Petition stoppen

Cagliari, 13. November 2019. Die beliebten süßlichen Seeigel-Eier, die im Herbst und Winter als Meeres-Delikatesse serviert werden, könnten vielleicht bald vom Speiseplan aus sardischen Restaurants und auch allen Privat-Küchen verschwinden. Denn weil die Seeigel durch extreme Überfischung inzwischen im Bestand gefährdet sind, wie Wissenschaftler warnen, fordert eine öffentliche Interessengruppe mit einem Moratorium nun einen sofortigen Stopp der Ernte in den Küstengewässern von Sardinien für drei Jahre. In nur wenigen Tagen unterzeichneten mehr als 6100 Menschen die Petition, damit die Bestände sich erholen können.

”Schlechte Umweltpolitik der Region schuld an Seeigel-Krise”

„Die schlechte Umweltpolitik der Region ist schuld daran, dass die Seeigel aus dem Meer um Sardinien verschwinden könnten“, heißt es in der Begründung der Petition des „Gruppo Intervento Giuridico Onlus“ („Juristische Interventionsgruppe“). Und dass Gabriella Murgia, die neue sardische Agrarministerin, am 7. November nun ein totales Ernteverbot für Sportfischer verhängt hat, sei nichts weiter als „ein Tropfen im Meer“, kritisieren die Initiatoren der Petition. Denn allein den 182 professionellen Seeigel-Fischern sei eine Tagesquote von 2000 Tieren erlaubt. Das entspreche 364.000 Seeigeln an Sardiniens Küsten pro Tag, 2.184.000 im Monat und mehr als 8,73 Millionen Seeigel in der gesamten Saison vom 1. November bis 15. April, moniert die Gruppe „Intervento Giuridico“.

Wie wenig die politische Führung von Umweltschutz verstehe, lasse sich allein daran ablesen, dass in dem Dekret Nr. 2358/DecA/47 vom 24. Oktober, mit dem Murgia die genannten Quoten für die Seeigelernte festgelegt habe, die prekäre Lage der Seeigelpopulation sogar ausdrücklich anerkannt werde. So heiße es darin, dass die Population der Gattung Paracentrotus lividus in „schwere Mitleidenschaft gezogen wurde, zuletzt bestätigt durch das wissenschaftliche Projekt „Beobachtung der Seeigel-Population“ und darüberhinaus auch von den Fischern und Tauchern selbst bestätigt.

Das Moratorium, so der Plan der Initiatoren, soll zum Schutz der Spezie beitragen, ein seriöses Monitoring der Tier-Populationen ermöglichen und ein Förderprogramm für die betroffenen Fischer aufstellen, die von dem Verbot betroffen wären. 

Mehrere Küstenstädte unterstützen Moratorium

Inzwischen, berichten die Initiatoren der Petition, würden immer mehr Restaurantbesitzer freiwillig auf das Servieren von Seeigeln verzichten, um so die Forderungen der Umweltschützer zu unterstützen. Und einige Küsten-Gemeinden helfen sich auch selbst. So hat die Kommune Carloforte auf der Isola di San Pietro festgelegt, dass zwischen dem 15. Dezember und dem 15. März Berufsfischer lediglich maximal 100 und Hobbyfischer nur 50 Seeigel pro Tag dem Meer entnehmen dürfen. Die gleiche Beschränkung hat auch die Gemeinde San Vero Milis an der Küste der Sinis-Halbinsel erlassen. Die Gemeinden Calasetta, Sant’Antioco und Portoscuso gehen sogar noch weiter – und unterstützten die Forderung gegen Überfischung der Seeigel im Meer von Sardinien mit einem Moratorium.

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