Coronavirus: Sardinien beklagt 27 Tote – Zahl der Intensivpatienten dreimal höher als im italienischen Durchschnitt

Mit dem Hashtag #andratuttobene („Alles wird gut“) und #iostoacasa („Ich bleibe zu Hause“) hat der sardisch Fotograf Carlo Marras Bilder nachdenklicher Sardinnen in Tracht gepostet. Weitere Bilder auf seinem Facebook-Account, auf Instagram und seiner Homepage.

Cagliari, 29. März 2020. Nirgendwo in Italien ist der Anteil am Coronavirus erkrankter Ärzte und Krankenpfleger mit höher als auf Sardinien – rund 50 Prozent (s.u.). In nur drei anderen italienischen Regionen wurden bisher weniger Virus-Tests gemacht als hier. Und nun wird klar, dass auch der Anteil der Intensivpatienten fast dreimal über dem Landesdurchschnitt liegt. Von den am Samstag registrierten 624 am Coronavirus Erkrankten befänden sich derzeit 117 in einer Intensivtherapie – was 18,8 Prozent entspräche. Italienweit seien von den am Samstag registrierten 26.876 Patienten 3.856 in Intensivtherapie, was einem Durchschnitt von 14,45 Prozent entspräche, berichtet am Sonntag das Newsportal Sardiniapost.

Unterdessen ist die Zahl der Corona-Todesopfer in Sardinien am Sonntag um eine weitere Person auf 27 gestiegen. Auch die Zahl der Infizierten kletterte von rund 500 auf nunmehr 650 (Stand Sonntagabend um 18 Uhr) an, berichtet „L’Unione Sarda“.

Inselweit wächst zudem die Sorge um mehrere Altersheime, in denen ein Großteil der Insassen mit dem Coronavirus infiziert wurden. Besonders stark betroffen ist das Heim „Casa Serena“ in Sassari, dem Epizentrum der Corona-Epidemie auf Sardinien. Von 140 Insassen haben sich laut Ansa 73 mit dem Virus infiziert. Seit dem 1. März sind dort 14 Personen am Coronavirus gestorben. Weitere Fälle gibt es in Altenheimen von Bitti (bislang ein Todesfall) und Sanluri (ebenfalls ein Todesfall).

Das Durchschnittsalter der Corona-Opfer liegt nach Angaben der Region Sardinien derzeit bei 74 Jahren. Das jüngste Opfer war 42, das älteste 91. Der übergroße Teil der Opfer ist männlich (85,7 Prozent).

Mit dem Hashtag #andratuttobene („Alles wird gut“) und #iostoacasa („Ich bleibe zu Hause“) hat der sardisch Fotograf Carlo Marras Bilder nachdenklicher Sardinnen in Tracht gepostet. Weitere Bilder auf seinem Facebook-Account, auf Instagram und seiner Homepage.

Nach versuchter Supermarkt-Plünderung: Innenministerium befürchtet soziale Aufstände

Im Mezzogiorno, dem Süden Italiens, wächst derweil die Sorge vor sozialen Unruhen. Auf der Nachbarinsel Sizilien hat es am Donnerstagnachmittag nach einem Aufruf über die sozialen Medien den ersten organisierten Versuch der Plünderung eines Lidl-Marktes in der Hauptstadt Palermo gegeben, berichtet „La Repubblica“. Mehrere Bürger hatten sich mit vollen Einkaufswagen zu den Kassen bewegt und dabei gerufen: „Schluss damit, zu Hause zu bleiben, wir haben kein Geld und müssen essen.“

Das italienische Innenministerium äußert sich inzwischen sehr besorgt über die Gefahr, die von dieser konzertierten Aktion ausgehe, und stellte sofort alle Supermärkte in Palermo unter Polizeischutz. „Das ist eine sehr delikate Situation, die wir mit extremer Aufmerksamkeit verfolgen und vor allem versuchen, gezielt durch Beiträge in den sozialen Netzwerken entgegenzusteuern. Es ist offensichtlich, dass bei einer derartigen Krise die Regionen des Mezzogiornos besonders gefährdest sind“, teilte der „Viminale“, wie das Innenministerium im Volksmund genannt wird, mit. Im Mezzogiorno sollen rund 4 Millionen Menschen von Schwarzarbeit leben, die ohne staatliche Unterstützung am Ende wären.

Ein aktueller Geheimdienstbericht warnt den Palazzo Chigi (Sitz den italienischen Ministerpräsidenten in Rom) vor einer „potenziellen Gefahr von Revolten und Aufständen, spontan oder organisiert, vor allem im Mezzogiorno, wo die untergegangene Wirtschaft und die flächendeckende Präsens der organisierten Kriminalität zwei ganz wesentliche Risikofaktoren sind“, berichtet „La Repubblica“.

Die römische Zeitung berichtet zudem von anderen ähnlichen Vorfällen in Kampanien und Puglia. Dort würden Diebe den Menschen ihre vollen Einkaufstüten einfach aus den Händen reißen. Kein Tag vergehe inzwischen mehr, ohne dass es nicht wenigstens einen bewaffneten Überfall auf eine Apotheke gebe. Es gäbe Regionen, in denen bis zu 80 Prozent der erwirtschafteten Einkommen mit Schwarzarbeit verdient würden. Da reichten schon 15 Tage aus, um an den Rand des Hungers zu rutschen.

Die geplante Plünderung des Lidl-Marktes in Palermo konnte gerade noch rechtzeitig von der schnell herbeigeeilten Polizei verhindert werden. Die Aktion sei von einer Facebook-Gruppe namens „Rivoluzione Nazionale“ organisiert worden. Die Gruppe, die am Mittwoch gegründet wurde, hat mittlerweile mehr als 2500 Mitglieder und trägt die Überschrift: „Ein Volk von Schafen kann keine Regierung aus Wölfen haben“. In einem Eintrag heißt es: „Wer am 3. April bereit ist für den Krieg, unterschreibe hier und werde Mitglied der Gruppe. Um auf uns aufmerksam zu machen, müssen wir die Supermärkte überfallen, wie sie es in Syrien und Spanien tun. Der wahre Protest ist genau das, so verstehen sie, wie weit es mit uns gekommen ist.“

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Gefährliches Schlusslicht Sardinien: Mindestens achtmal
mehr Ärzte mit Covid-19 infiziert als im übrigen Italien

Cagliari, 27. März 2020. Ärzte und Krankenpfleger sind in Sardinien achtmal stärker von Covid-19-Infektionen getroffen als ihre Kollegen in den anderen 19 Regionen Italiens. Diese allarmierenden Zahlen veröffentlichte das Istituto Superiore di Sanità (Staatliches Gesundheitsamt) in Rom am 23. März. Demzufolge betreffen 39,2 Prozent aller registrierten Infektionen auf Sardinien medizinisches Personal wie Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger. Der Durchschnitt in den insgesamt 20 Regionen beträgt hingegen nur 8,02 Prozent. (Foto: Cagliari mit Blick Richtung Sulcis-Berge, Foto: Enrico Napoleone).

Die Zahl könnte jedoch noch deutlich höher liegen. Und darauf deuten gleich mehrere Indizien hin.

Grund 1: Die auf Sardinien offenbar jetzt erst bekanntgewordenen Daten, die bereits vor vier Tagen veröffentlicht wurden, beziehen sich auf die Epedemie-Situation zwischen dem 18. und 19. März. Seinerzeit waren offiziell 176 Covid-Infektionen bekannt, berichtet das Newsportal Sardiniapost, inzwischen sind schon deutlich mehr als 450. Da das Krankenpersonal ständig in Kontakt mit anderen Patienten sind, liegt nahe, dass sich seitdem noch diverse andere Personen angesteckt haben könnten – unter ihnen natürlich erneut verstärkt medizinisches Personal.

Das sardische Krankenhauspersonal weist bereits seit Wochen die Regionalregierung in Cagliari darauf hin, dass es nicht ausreichend Schutzkleidung in den Krankenhäusern gebe.

Grund 2: In einer Pressekonferenz am Dienstag hatte der sardische Gesundheitsminister Mario Nieddu von rund 200 betroffenen Ärzten, Krankenschwestern und Pflegern gesprochen. Das entsprach bei den seinerzeit rund 350 Infizierten Personen deutlich mehr als 50 Prozent.

Am Donnerstag ruderte Nieddu zurück und erklärte, die Zahl 200 sei ein „Irrtum“ gewesen, da sie nicht nur das medizinische Personal, sondern auch die Patienten mit beinhalte, berichtet Sardiniapost. Nur einen Tag zuvor hatte der Ministerpräsident Sardiniens, Christian Solinas, persönlich erklärt, der Anteil des medizinischen Personals an den Infizierten in Sardinien liege bei 26 Prozent. Die Regierung Solinas steht wegen des Handlings der Epidemie inzwischen heftig in der Kritik.

Grund 3: Ähnlich besorgniserregend sieht es auch bei der Bereitsstellung von Abstrichen zum Nachweis einer Infektion aus. Während im Veneto im Schnitt von 10.000 Einwohner fast 163 einen Covid-19-Test gemacht haben, sind es in Sardinien nur magere 21 Einwohner. Womit die Kontaminierungsgefahr nochmals höher sein dürfte als anderswo.

Schwarzer Tag für Italien: Fast 1000 Tote an einen Tag

Schwarzer Tag hingegen für Italien: nachdem die Zahl der Neuinfektionen und auch Todesfälle seit Anfang der Woche stetig abnahm, hat das Land heute mit fast 1000 Toten pro Tag einen neuen traurigen Höhepunkt erreicht.

Auch die Zahl der Neuinfizierten steigt bedenklich steil wieder an. Waren es am Mittwoch noch 3491, wurden heute rund 4400 gezählt – nach fast 4500 am Vortag.

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21 Corona-Tote auf Sardinien, 500 Infizierte –
italienweit sinken die Zahlen langsam

Cagliari, 27. März 2020. Das Coronavirus hat auf Sardinien am Freitag auf 21 Todesopfer erhöht. Die Zahl der Infizierten stieg auf 500.

In Samassi (Provinz Süd-Sardinien) wurden am Dienstag zudem vier Verdachtsfälle von weiteren Opfern bekannt. Bei den Opfern soll es sich um hochbetagte Senioren mit Vorerkrankungen handeln, die in einem Altersheim gestorben sind – im Verlauf der vergangenen zwei Wochen. Offenbar trat der Verdacht von Infektionen mit dem Covid-19-Virus erst auf, nachdem am Sonntag eine 87-Jährige verstorben war. Das Altersheim wurde auf Anweisung des Bürgermeister abgeriegelt, berichtet „L’Unione“. Im Haus sollen sich neben acht Pflegern und Nonnen 23 weitere Senioren befinden, von denen fünf Fieber und weitere Symptome haben, die auf eine Corona-Infektion hindeuten.

Aus Meana Sardo stammt dieses bewegende Bild, das Teresa Fulghesu Chighini aufgenommen hat. Sardinien gilt mit Hokaido als Region mit dem weltweit höchsten Anteil an 100-Jährigen.

Während die Zahl der Gesamtinfektionen in Italien und die Zahl neuer Todesfälle weiter leicht zurückgeht, wird in Sardinien die Informationskritik an der Regionalregierung in Cagliari von Ministerpräsident Christian Solinas immer lauter. So zum Beispiel der Bürgermeister von Samassi (Provinz Süd-Sardinien). In einem Video, das die Zeitung veröffentlichte, greift er die Solinas-Regierung scharf an, kläglich bei der Informationspflicht zu versagen und die Kommunen gezielt im Unklaren zu lassen. „Der, der die Pflicht hatte, mich über den Tod eine Mitbürgers zu informieren, hat es nicht getan.

Viel schlimmer noch: er hat abgestritten, dass der Tod etwas mit dem Coronavirus zu tun hat. Grabesstille auch von Seiten der Behörden, was die Zahl der Infizierten betrifft“, ärgert sich Enrico Pusceddu. „Ich habe um Informationen gebeten, und mir wurde geantwortet, ich möge zu den Bürozeiten anrufen. Ein unverantwortliches Handeln zu Zeiten, in denen die Pandemie weiter tötet“, erbost sich Samassis Gemeindechef.

In die gleiche Kerbe schlägt Emiliano Deiana, Chef des Gemeindebundes Sardinien. „Obwohl die Bürgermeister die Vertreter in den Kommunen für sanitäre Belange sind, werden sie nicht von den zuständigen regionalen oder nationalen Institutionen informiert über neue Fälle in ihren Gemeinden, die machmal sehr klein sind.“ Stattdessen seien es oft nur Familienangehörige, die diese Informationen weitergäben. „Wir handeln im Dunkeln ohne offizielle Informationen und Instrumente“, schreibt Deiana auf seinem Facebook-Account.

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Zahl der Corona-Toten auf Sardinien verdreifacht – Hotspot Sassari: 90 % der Infizierten sind Ärzte und Krankenpfleger

Cagliari, 22. März 2020. Am Sonntagabend hat die Corona-Epidemie das siebte Todesopfer auf Sardinien gefordert. Bei dem Verstorbenen handelt es sich um einen 84 Jahre alten Pastor aus der Provinz Nuoro. Am Vortag war der Opferliste schlagartig von zwei auf sechs gestiegen. Die vier neuen Opfer stammen alle aus Sassari. Dort war am vergangenen Sonntag nach dem ersten Todesopfer in Cagliari der zweite zweite tödliche Corona-Verlauf aufgetreten. Sonntagabend waren 339 Infizierungen offiziell bestätigt. Dies berichtet das Online-Portal Sardiniapost. In der Provinz Sassari scheint sich mit inzwischen 255 Infizierten auch klar das Epizentrum der Epidemie zu befinden. 52 wurden in der Provinz Cagliari registriert, 22 in Nuoro, 8 in Süd-Sardinien und 4 in Oristano.

Dramatisch entwickelt sich auch die Situation an den Krankenhäusern Sardiniens. Rund 50 Prozent aller bisher in Sardinien registrierten Corona-Infizierten soll Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger betreffen, zitiert „L’Unione Sarda“ die Gewerkschaften Cgil, Cisl und Uil auf der zweitgrößten Mittelmeerinsel mit. Besonders kritisch sei die Situation in der Stadt Sassari. Dort soll der Anteil des infizierten Krankenhauspersonals sogar bei 90 Prozent liegen.

Hier klicken, um die aktuellen Stände von Sardinien und der anderen 19 Regionen Italiens vom offiziellen Portal des italienischen Zivilschutzes abzurufen.

„In Italien liegt der Anteil der Betroffenen Mitarbeiter bei acht Prozent, in China bei vier. In den Hospitälern und anderen Aufnahmestrukturen der Insel wurden Mediziner und Krankenpflegepersonal allein gelassen, ohne Schutz und allgemein gültige Anweisungen gegenüber der Epidemie“, klagen die Gewerkschaften an.

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„Werde euch ohrfeigen“: Corona-Wutreden von Bürgermeistern und Krankenschwester-Selfie gehen viral
Sabina Maoddi ist Krankenschwester in Cagliari – und von der harten Arbeit in diesen Tagen gezeichnet. (Info siehe unten). Foto: Sabina Maoddi

Cagliari, 18. März 2020. Die Italiener haben offenbar den Fehler zu Beginn der Pandemie gemacht, Abstriche nur bei jenen Patienten zu machen, die starke Symptome zeigen. Was nach Einschätzung mehrerer deutscher Virologen zu einer deutlich ungehemmteren Ausbreitung des Virus führte als in einigen anderen Ländern – mit fataler Auswirkung auch auf die Zahl der Todesfälle.

Doch seit mehreren Tagen gilt landesweit neben den Ladenschließungen auch eine Ausgehsperre, die in Sardinien besonders genau umgesetzt wird. Die Wohnung verlassen dürfen nur noch diejenigen, die zur Arbeit, zum Einkaufen oder in die Apotheke müssen. Und auch beim Gassi-Gehen mit Hunden muss jeder eine aktuelle „eigenverantwortete Bescheinigung“ bei sich tragen, auf der vorab der Grund für das Verlassen der Wohnung erklärt wird. Bei Nichteinhaltung drohen hohe Geldstrafen und bis zu drei Monate Gefängnis.

Rare Impressionen vom Bastione in Cagliari, wo offiziell eine Ausgangssperre herrscht, gesehen heute von Fiorella Sanna

Während Sicherheitsbehörden die Einhaltung der Regeln inselweit kontrollieren und schon zahlreiche Anzeigen erstattet haben, treffen auch immer mehr sardische Bürgermeister zusätzlich drastische Entscheidungen. Wie zum Beispiel in Sassari, wo am Wochenende per Dekret ein Verbot von Spaziergängen, Jogging und Radfahren erlassen wurde, wie La Nuova Sardegna berichtet.

Landesweit für Aufsehen und immer mehr Zustimmung sorgt indes der Wutanfall von Andrea Piroddi, Bürgermeister des 2000-Einwohner-Ortes Ilbono bei Lanusei rund 10 Kilometer westlich vom Südrand des Golfo di Orosei.

Auf die Frage eines Mitbürgers, ob wenigstens Spaziergänge weiterhin erlaubt seien, antwortete er:

„Also, ich erkläre es euch noch einmal: Ihr wisst, wieviele Betten auf der Intensivstation es in Lanusei gibt? 5 bis 7.
Ihr wisst, dass nicht alle davon frei sind?
Ihr wisst auch auch, dass jede sechste Person, die sich mit Covid-19 infiziert, eine Therapie auf der Intensivstation benötigt?
Ich sage euch jetzt: Ihr habt die letzten 20 Jahre damit verbracht, Sendungen wie „Amici“ euch anzusehen, Kommentare zu den Schwachköpfen abzugeben, die da auftreten, euch mitreißen lassend von „Es ist Post für dich da“, euren Arsch vom Sofa nicht mal hochhebend, nur um ins Bad zu gehen.
Daher erklärt mir jetzt, weil ich es nicht verstehe und neugierig bin:
Wohin, zum Teufel, wollt ihr ausgerechnet jetzt in diesen Tagen gehen?“

Bürgermeisterin aus Sestu droht
Unbelehrbaren mit Ohrfeigen

Paola Secci, Bürgermeisterin von Sestu bei Cagliari, droht Quarantäne-Brechern sogar mit Ohrfeigen. „Mir wurde zugetragen, dass es einige gibt, die sich einen Scheißdreck kümmern um die Anordnungen kümmern und Abendessen und Fest mit Freunden organisieren, mit Familienangehörigen und Nachbarn! Ich schwöre euch, dass ich beim nächsten Hinweis nicht mehr die Carabinieri anrufen, sondern persönlich zu euch nach Hause kommen werde selbst auf die Gefahr hin, mir Covid-19 einzufangen, um euch Ohrfeigen zu verpassen!“. Dies berichtet die Regionalzeitung „La Nuova Sardegna“ auf ihrer Homepage.

Tausendfach geteilt auch ein Selfie, den Sabina Maoddi von sich machte. Die Sardin arbeitet als Krankenschwester in Cagliari im Hospital „Santissima Trinità“ und postete auf ihrer Facebook-Seite ein Bild von sich, das ihr Gesicht nach einer Schicht entstellt von Abdruck der Schutzmaske zeigt.

Auf Mutmaßungen von Kommentatoren, das Bild sei nachträglich mit Photoshop bearbeitet worden, antwortet Maoddi: „Das ist kein Photoshop. Das ist das, was dir passiert, wenn du viele Stunden unter einer FFP3-Maske mit Schutzbrille und Ganzkörperanzug arbeitest… Beschwert euch nicht, dass ihr eingeschlossen zu Hause bleiben müsst… Jede Nachlässigkeit, die ihr begeht, ist ein zu hoher Preis, den wir ALLE zahlen müssen!!! Benutzt euer Gehirn… denkt an eure Lieben, an alle Personen, die sich um diejenigen kümmern, denen es schlecht geht!!!“

Das größte Problem in Sardinien und auch dem Rest des Landes ist die stark limitierte Anzahl von Intensivbetten in den Krankenhäusern. Während es in Deutschland derzeit rund 25.000 Intensivbetten gibt, was bei rund 81 Millionen Einwohnern einem Bett pro 3240 Einwohner entspricht, sind es in Italien bei derzeit rund 60 Millionen Einwohnern nur ein Bett pro 10.344 Einwohner.

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2 Corona-Tote, 105 Infizierte: Sardiniens Politiker erflehen Hilfe von Heiligem – scharfe Kontrollen an Ferienhäusern von Norditalienern

Cagliari, 16. März 2020. Die Zahl der Infizierten auf Sardinien ist in den letzten 24 Stunden von 77 auf 105 gestiegen, meldet die Nachrichtenagentur Ansa. Von den beiden Todesopfern dagegen findet sich auf der Nachrichtenagentur – und die erschien im Gegensatz zu anderen Medien erst sehr spät am Nachmittag erst am Sonntagabend. Stattdessen ein großer Ansa-Bericht über diverse Insel-Politiker wie Ministerpräsident Christian Solinas, die Sant’Efisio um Hilfe bitten. Kein Virologe wohlgemerkt, sondern Cagliaris Schutzpatron, der im dritten Jahrhundert nach Christus lebte – und nach dem Glauben so mancher die Insel im 17. Jahrhundert von der Pest befreit hat. Und auch Paolo Truzzu, Bürgermeister der Inselhauptstadt, hat auf Einladung des Erzbischof von Cagliari inzwischen den Heiligen um Schutz in der Krise gebeten.

Gesundheitsassessor: Alles halb so wild

Mario Nieddu, seines Zeichens Assessor für Gesundheit Sardiniens, räumt Ansa hingegen einen großen Beitrag ein, in dem er erklärt, dass der Höhepunkt der Coronavirus-Epidemie zwar noch bevorstehe, aber nicht hoch ausfallen werde. Womit er dem Bemühen der 1,6 Millionen Sarden, die sich wegen der erlassenen Ausgangssperre seit Tagen überwiegend in ihren Häusern eingeschlossen haben, einen Bärendienst erweisen könnte.

Für immer mehr Aufsehen und Wut unter der Inselbevölkerung sorgen hingegen Verstöße gegen die erlassene Ausgangssperre, von der ausgenommen nur Wege zur und von der Arbeit, zum Einkaufen und zum Gassigehen mit Hunden sind.

Norditaliener im Visier der Forst-Polizei

Ganz besonders gilt dies für laut Ansa offenbar zahlreiche Norditaliener, die in den letzten Wochen vor allem aus der Lombardei in ihre Häuser auf Sardinien gezogen seien, wo die Epidemie die meisten Infizierten und Todesfälle provoziert hat. Wer gegen den Paragraphen 650 des Strafgesetzbuches verstößt, muss mit hohen Geldbußen und Gefängnis bis zu drei Monaten rechnen.

Am Montag kontrollierte die Forstbehörde laut Ansa an 376 verschiedenen Stellen – mit Schwerpunkt an den Zweiwohnsitzen der Norditaliener in den Küstenregionen. Die Forstbehörde kann in Italien im Gegensatz zu Deutschland auch Polizeiaufgaben wahrnehmen und patrouilliert bewaffnet. 13 Personen sollen angezeigt worden sein.

Am Wochenende hatte ein Video für Entsetzen unter den Sarden gesorgt, dass eine norditalienische Familie bei Picknick am Strand bei Palau zeigt, während die Sarden in ihren Häusern in der Stadt auf das Ende der Ausgangssperre warten. (siehe Eintrag von 14. März weiter unten).

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Sardinien beklagt erste zwei Corona-Tote – Reisen nur mit Sondergenehmigung

Cagliari, 15. März 2020. Bis zum Samstag galt Sardinien noch als eine der vier Regionen in Italien ohne Corona-Todesfälle. Doch dies hat sich nun geändert. Am Sonntag werden die ersten beiden Todesopfer gemeldet. Dies berichtet die Regionalzeitung „L’Unione Sarda“ auf ihrer Homepage.

Bei dem ersten handelt es sich um einen 42-jährigen Unternehmer, der als erster Sarde am 2. März in das Krankenhaus Santissima Trinità in Cagliari eingeliefert wurde und am Sonntagmorgen verstarb. Er hatte zuvor ein Bier-Fest in Rimini in der Emiglia Romagna besucht und war kurz nach seiner Einlieferung ins künstliche Koma versetzt worden, aus dem er nicht mehr erwachte. Unklar ist, ob und wenn ja welche Vorerkrankungen der Mann hatte. Auch aus Sassari wurde ein weiteres Todesopfer gemeldet.

Das zweite Opfer in Sassari hatte ganz offenbar Herzprobleme und lag schon 20 Tage lang auf der Kardiologie-Station in einem Krankenhaus, bevor er gestern positiv auf das Corona-Virus getestet wurde. Dies berichtet die Zeitung „La Nuova Sardegna“ auf ihrer Homepage.

Mit sofortiger Wirkung bleiben bis zum 25. März 2020 alle Flughäfen und Fährhafen von Sardinien für den normalen Passagierverkehr wegen der Corona-Pandemie gesperrt. Ausgenommen davon sind nur Passagiere, die 48 Stunden vor Antritt der Reise eine Sondergenehmigung der Region Sardinien erhalten.

Die Sondergenehmigung, deren Formular hier auf der Internetseite der Region Sardinien runtergeladen und online übermittelt werden kann, wird nach Angaben der Region nur Personen erteilt, die einen besonderen Arbeits- oder Gesundheitsgrund nachweisen können.

Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen in Sardinien steigt am Sonntag um 26 auf nunmehr 77. Zum Vergleich: Die bayerische Landeshauptstadt München, die mit 1,5 Millionen Einwohner etwa so viele Einwohner wie ganz Sardinien hat, zählt inzwischen 242 (Stand 15. März um 19.23 Uhr).

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Corona: Sardinien schottet sich ab –
Flughäfen und Fährhäfen geschlossen

Cagliari, 14. März 2020. Nun schottet sich auch Sardinien ab: Mit sofortiger Wirkung sind alle Flug- und Fährhäfen der zweitgrößten Mittelmeerinsel wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Der gesamte normale Flug- und Schiffsverkehr nach und von Sardinien wurde auf Antrag des sardischen Ministerpräsidenten Christian Solinas (Sardo d’Azione) am Samstagnachmittag von der italienischen Verkehrsministerin Paola de Michelis (PD) mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Dies berichtet die Zeitung „L’Unione Sarda“ auf ihrem Online-Portal.

Ausgenommen von der Reisesperre sei lediglich der Warenverkehr über den Seeweg. In Ausnahmesituationen bei besonderes wichtigen und „unaufschiebbaren Umständen“ sei auch der Personenverkehr über den Seeweg erlaubt. Die Genehmigung dazu müsse jedoch direkt vom sardischen Ministerpräsidenten eingeholt werden, schreibt das Blatt, ohne diese Umstände genauer zu definieren. Die gleiche Ausnahme gelte auch für die Flugverbindung zwischen Rom und Cagliari.

Die genauen Bedingungen für die Ausnahmen würden von der autonomen Region Sardinien selbst bekanntgemacht, hieß es. Zur Homepage der Region geht es hier.

Corona-Pandemie in Italien – hier die aktuellen Zahlen vom italienischen Zivilschutz am Samstagnachmittag um 17 Uhr.

Sardinien zählt derzeit zu den vier der insgesamt 20 italienischen Regionen (gleich den Bundesländern in Deutschland), in denen es noch keine Todesopfer zu beklagen gibt. Derzeit sind 47 Personen infiziert (Stand Samstagmittag).

Für einen aktuellen Überblick über Sardinien und den Rest Italiens hier der Link des Zivilschutzes – mit Desktop- und Mobilversion.

Video viral: Norditaliener missachten Ausgehverbot und picknicken an sardischem Strand

Landesweit viral geht inzwischen ein Video in ganz Italien, dass von einer norditalienischen Frau an dem sardischen Strand Cala di Trana in der Nähe von Palau gepostet wurde. Sie erklärt darin, dass sie wegen all der Ausgehverbote, die inzwischen erlassen wurden, sich mit ihrer Familie zu einem Picknick am Strand entschlossen habe, wo sich das Coronavirus sicher nicht ausbreiten könne.

Das Video hat zum Teil heftige Reaktionen vor allem auf Sardinien hervorgerufen – wie an dieser Videoantwort erkennbar ist:

1 Antwort

  1. traadore sagt:

    Rosa, io vivo in Germania e seguo sempre le informazioni Sarde, e per caso ho trovato il tuo video di risposta alla bionda.
    Sei formidabile

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