Während das Coronavirus Urlaubsträume frisst, genießt Eremit Mauro Tag für Tag seinen Strand

Sonnenuntergang an der Spiaggia Rosa, aufgenommen vom einzigen Bewohner Budellis, Mauro Morandi (81) am Samstag, 25. April 2020.

Budelli, 26. April 2020. Die Gram unter den Mittelmeer-Liebhabern, die nach Sardinien wollen, nimmt zu, doch das Coronavirus frisst weiter ihre Träume. Auch rund zwei Monate nach dem vollen Ausbruch der Pandemie in Italien schottet sich Sardinien weiter ab. Zwar gibt es fast keine neue Infektionen und nur noch sehr wenige Todesfälle, während die Zahl der Genesen von knapp 1300 Covid-19-Erkrankungen unaufhörlich steigt. Doch sieht es trotz neuangekündigter Lockerungen von der sardischen und der italienischen Regierung so aus, als wenn die Sarden in dieser Sommersaison vor allem eines bleiben werden: unter sich.

Im Augenblick ist es sogar den Sarden selbst nicht gestattet, ans Meer zurückzukehren. Erst vor wenigen Tagen hat Christian Solinas, Präsident der Region Sardinien, ein Betretungsverbot für alle sardischen Strände erlassen, um auszuschließen, dass auch an den vielen und zahllosen Stellen, die nicht ständig im Visiert der Ordnungsbehörden sind, sonnen- und meerhungrige Insulaner die drastischen Vorsichtsmaßnahmen unterlaufen, mit denen dem Virus der Garaus gemacht werden soll.

Im äußersten Nordosten von Sardinien gibt es allerdings eine winzige Insel, auf der ein alter Mann im nunmehr 31. Jahr in einer Isolation lebt, die zwar jener der Coronapandemie ähnelt, was den Kontakt zu anderen Menschen betrifft.

Allein im Paradies am Rosa Strand

Aber alles andere ist eher die Inkarnation dessen, wonach sich gerade immer mehr Menschen nach inzwischen Monaten der Ausgangssperre und -beschränkungen sehnen: einsame Strände, wilde Natur, kein einziger Laut außer dem Rauschen der Wellen und des Windes. 1,68 Quadratkilometer klein, von Nord nach Süd 2,1 Kilometer lang, von West nach Ost 1,5. Die höchste Erhebung 88 Meter über dem Meeresspiegel – mit einer Ruine obendrauf, dem Rest eines Ausgucks der italienischen Armee, von der während des Zweiten Weltkriegs die Meerenge von Bonifacio überwacht wurde. Gratis dazu: Traum-Ausblick auf die Südspitze von Korsika, von hier rund 15 Kilometer Luftlinie in Richtung Nordwest entfernt.

Wer je in einem Haus direkt am Meer mal wenigstens einen Urlaub verbracht hat, wird Mauro noch mehr beneiden um sein Idyll. Selbst wenn er um zehn aufsteht, was er nie tut, weil er „ständig alle Hände voll zu tun hat“, wie er Sardinien Intim verriet, begrüßt ihn der Rosa Strand, den Michelangelo Antonioni mit Monica Vitti in seinem Film „Die Rote Wüste“ unsterblich gemacht hat, 20 Meter von seiner Veranda entfernt stets mit der gleichen Stille der Natur wie jeden der 365 Tage im Jahr. Denn die Spiaggia Rosa ist schon in den 90er-Jahren zur Naturschutzzone erklärt worden, nachdem Badende den rosafarbenen Sand, der dem Strand den Namen gab, kiloweise mit nach Hause genommen hatten.

Jeden Tag beschließt der Eremit mit einer Zigarette auf einem Baumstamm, den das Meer vor Jahren am Rosa Strand angespült hat. Und den Mauro als Bank benutzt, um den Sternenhimmel über sich mit dem leisen Plätschern des Meeres als letzten Eindruck vor dem Zubettgehen zu genießen.

Wen interessiert, wie es auf am Rosa Strand aussieht, der kann Mauros Fotos auf seinem Facebook-Account bewundern. Hier der Link zum Textmanuskript einer Radioreportage, die ich vor einiger Zeit für Deutschlandradio Kultur auf Budelli über Mauro gemacht habe. Viel Spaß beim Lesen!

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Bedrückend entzückend entrückt: Der metallische
Zauber von Mauros einsamem Rosa Strand

Spiaggia Rosa, 2. April 2020. Kennt ihr die Sonne Sardiniens am Frühlingsanfang…? Wenn das Wasser noch kühl () und die Morgenfrische Winter vorgaukeln, was sich ohne Sonnencreme weit vor dem Untergang des Zentralgestirns mit hochroten Rüben rächt?

Für Mauro ist das Alltag. Der alte Mann und das Meer leben in Symbiose seit Jahrzehnten – auf Budelli, seinem Paradies, das in diesen Tagen noch idyllischer und trotz seiner Verlorenheit sicherer wirkt.

Jetzt hat Mauro einen Schuss vom Rosa Strand gepostet, dessen metallischer Glanz wie ein Sog den Betrachter hinzieht.

Seine Botschaft:

„Chiedo a coloro che amano il mare come me di unirsi alla sfida di postare una propria foto del mare. Solo una foto, nessuna descrizione. L ‚ obiettivo è quello di postare positività invece di diffondere negatività.
Basta copiare il testo e postare con una bella foto….torno presto ⚓ ❤️“

Hier der Link für diejenigen, die auf seinem Facebookaccount ein eigene Meerbild ohne Kommentar posten wollen.

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Insel-Eremit Mauro genießt den
schönsten Quarantäne-Platz auf Sardinien

Isola di Budelli, 22. März 2020. In Zeiten wie diesen ist es schwierig, über Reisen zu schreiben. Die meisten wissen inzwischen, dass die Risiken, die für einen selbst und andere damit verbunden wären, zu groß geworden sind, so lange es keinen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt.

So schwer der Stillstand vielen auch fällt, so sehr liegt darin aber auch eine Chance, uns eine Atempause zu gönnen. Denn die Geschwindigkeit, mit der wir uns inzwischen durch die Welt real und virtuell bewegen, hat zwar viele Vorteile. Aber sie kann auch einen hohen Preis haben. Denn nur allzu schnell verliert man dabei den Blick fürs Wesentliche.

Einer, der diese Langsamkeit ohne Not und aus freien Stücken schon vor Jahrzehnten entdeckt hat, ist Mauro Morandi. Seine Suche nach einem Ort der Isolation, an dem er sich aussuchen kann, mit wem er seine Zeit verbringt, ohne das Risiko zu laufen, unerwünschte Begegnungen zu haben, hat ihn 1989 mit seinem Segelboot nach Budelli geführt, einem nur 1,6 Quadratkilometer kleinen Eiland an der Nordspitze des Maddalena-Archipels. Direkt an der wind- und wellenumtosten Passage der Bocche di Bonifacio zwischen Sardinen und Korsika, das zum Greifen nah o er seitdem zuerst als angestellter Wächter, dann als selbsternannter „Staatlicher Angestellter“ (so tituliert er sich in seinem Facebook-Profil) lebt.

Und nun ist Mauro, inzwischen 81 Jahre, zum meist beneideten Einwohner auf Sardinien geworden. Denn der Ort der Quarantäne, die überall in Italien und mit besonders scharfen Restriktionen in Sardinien gilt, ist zum einen sein ganz normales Wohnumfeld. Und zu anderen könnte es schöner kaum sein. Denn sein kleines Haus, das die italienische Armee im Zweiten Weltkrieg als Unterkunft für einen kleinen Wachposten an den Bocche di Bonifacio errichtete, liegt an der Spiaggia Rosa, dem Rosa Strand, auf der Südseite des kleinen Eilands.

Und dank Internet und Smartphones lässt Mauro die Welt inzwischen offen teilhaben an seinem Idyll – und postet regelmäßig unregelmäßig Fotografien und Aphorismen aus seinem kleinen Paradies.

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Nicht Robinson, sondern Odysseus:
Debüt als Buchautor mit 80 Jahren

Ein Hauch von Rosa unter metallisch blauem Himmel über Budelli.
Foto: Mauro Morandi

Isola di Budelli, 28. Januar 2020. „Es ist sechs Uhr, das erste Morgenlicht dringt durch mein kleines Fenster ein. Ich öffne ein Auge, dann das andere. Es gibt keine Eile. Denn auf dieser Insel verläuft die Zeit in einer anderen Geschwindigkeit als im Rest der Welt. Ich nehme die ersten Geräusche Klänge, die ersten Geräusche wahr. Die letzten Insekten der Nacht, die zwei Hühner, beginnen sich zu bewegen – ich höre sie, wie sie im Stall auf und ab gehen und im trockenen Sand scharren. Dann ein greller, langer Schrei: die Möwen beginnen mit ihren Rundflügen, die Sonne muss schon den Horizont überschritten haben.“

So beginnt Mauros Debüt als Buchautor. Mit 81 Jahren, von denen er die letzten 31 auf Budelli als Eremit verbracht hat, gewährt er nun seinen vielen Freunden und Bekannten, die ihn inzwischen am Rosa Strand besucht, auf Facebook mit ihm verbunden sind oder die einen der inzwischen zahlreichen Dokus und Geschichten wie beispielsweise die jüngst erschiene Arte-Reportage gesehen haben, einen intimen Einblick in seinen Alltag auf der kleinen Insel an den Bocche di Bonifacio: „La poltrona di Ginepro – Abbandonare il mondo per la libertà: La mia vita sulla Spiaggia Rosa“ (Der Sessel aus Ginster – Die Welt verlassen für die Freiheit: Mein Leben am Rosa Strand).

Auf 200 Seiten erzählt der Aussteiger aus erste Hand, was ihn zum Auswandern bewegt hat, was ihn am Leben in der Einsamkeit fasziniert und was seine Mission ist. Und warum sein Leben eher dem von Odysseus ähnelt als jenem von Robinson Crusoe.

Das Buch ist bei Rizzoli auf Italienisch erschienen und kostet 15,30 Euro. Hier kann es bestellt werden. (red)

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Wie Wolken und Regen einen Sturm an Kreativtät
beim Wächter des Rosa Strandes entfesseln

Isola di Budelli, 3. Oktober 2019. Wenn der Himmel über den Bocche di Bonifacio zwischen Sardinien und Korsika sich auch am Tag verdunkelt, und sei es nur zeitweise, um warmen Regen über Mauros mediterranes Paradies am Rosa Strand rieseln zu lassen, dann verdunkelt sich auch die Seele Eremiten. Und dies, obwohl er aus Modena stammt, einer Stadt fern vom Meer, dessen Silhouette von in der Po-Ebene herumschwappenden Nebeln gefressen wird.

Moderner Robinson Crusoe

Doch der 80-jährige Ex-Sportlehrer und selbsternannte Anarch, verliebt und entlehnt aus Jüngers „Eumeswil“, läuft dann zur Hochform auf – als Fotograf mit seinem Smartphone, Luxus-Insignie des modernen Crusoe, der er auch in klassischer Version nie sein wollte („Cruose wollte weg, ich nie“, hat der mir in einem Interview mal verraten). Mauro pixelt mit sicherer Hand und untrüglichem Blick pastellfarbene Potpourries auf den Fotochip und postet sie anschließend auf seinem Facebook-Account mit lapidaren Uhrzeiten und kurzen Flüchen, die nicht selten einen Tsunami an Likes unter seinen knapp 5000 Facebook-Freunden auslösen. Jedes große oder kleine Unwetter oder auch nur ein Mini-Regen lösen in ihm kreative Stürme aus, die er seiner Umwelt schenkt und so in Echtzeit teilhaben lässt an dem, was seit inzwischen mehr seit 30 Jahren sein Zuhause ist: der Rosa Strand und die kleine Insel Budelli, auf der er allein als selbsternannter Wächter schöner Natur und guter Sitten lebt.

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Spiaggia Rosa, 5.45 Uhr – so sieht der glücklichste Eremit
des Mittelmeers auf seiner Insel die Sonne aufgehen

Er spart normalerweise nicht mit Worten – Mauro, der Eremit von Budelli, dessen Vorbild Martin Venator ist, eine Romanfigur aus dem Roman „Eumeswil“, in dem Ernst Jünger die Welt eines Anarchen beschreibt. Aber es geht auch mal kürzer. Der Kommentar zum jüngsten Sonnenaufgangsfoto lautet schlicht:

5.45 Uhr

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Herr eigener Insel mit Rosa Strand:
Vom Traum, mit sich und der Welt im Reinen zu sein

Sonnenaufgang über dem Rosa Strand auf Budell, am Wochenende von Mauro Morandi aufgenommen, dem einzigen Bewohner der Insel.

„Dipendente Statale“ steht unter seinem Namen in seinem Facebook-Profil, „Staatsangestellter“. Das stimmt – und es stimmt auch nicht. Denn offiziell ist Mauro dies schon seit mehr weit mehr als 30 Jahren nicht mehr – seit er seinen Job als Sportlehrer in Modena an den Nagel hängte. Aber inoffiziell haut der Titel durchaus hin. Denn seit dem Aufkauf der kleinen Insel Budelli im Maddalena-Archipel aus der Hand eines Privatiers durch den italienischen Staat, deren Tohuwabohu italienweit Schlagzeilen machte, wird der inzwischen 80-Jährige, der 1989 auf der Suche nach seinem Nirvana statt in der Südsee auf Budelli strandete, von der Naturpark-Verwaltung als „Wächter von Budelli“ geduldet. So chaotisch, wie der italienische Staat oft mit seinen Bürgern umgeht, so milde ist er manchmal ebenso.

Mauro bekommt zwar vor allem im Sommer öfter Besuch, immer wieder auch von Journalisten, die die Geschichte oft so erzählen, wie er sie gar nicht hören will: als Robinson Crusoe, als Eremit zwischen Sardinien und Korsika, allein an seinem Rosa Strand, den Michelangelo Antonioni mit seinem ersten Farbfilm „Die Rote Wüste“ weltbekannt machte. Aber abends verschwinden alle Gäste wieder, da man am Rosa Strand aus Naturschutzgründen schon langen nicht mehr baden noch sich sonnen darf. Da es außer Mauros Haus kein anderes intaktes Gebäude auf dem winzigen Eiland gibt. Und da sein bescheidenes Haus „kein Restaurant“ ist, wie er einmal vor Jahren selbst Formel-1-König Flavio Briatore erklärte, als der noch mit Naomi Campbell zusammen war und in ihrer Begleitung bei Mauro auf der Terrasse essen wollte. Enttäuscht zog das Paar wieder ab, wie Mauro mir vor einiger Zeit für eine Deutschlandradio-Reportage erzählte.

Nicht alle Exotik, das weiß Mauro nur zu gut, ist für Geld zu haben. Auch das ist ein Grund, warum er Tag für seine letzte Zigarette am Abend auf einem Baumstumpf am Rosa Strand genießt und sich des Luxus jeden Morgen erneut bewusst wird, wenn er im Osten über der Hauptinsel des Archipels die Sonne aufgehen sieht und weiß, dass er das jeden Tag erlebt, wovon viele andere Menschen jeden Tag träumen: in totaler Stille den Sonnenaufgang genießen kann und mit sich und der Welt im Reinen zu sein.

Und wer Mauro noch nicht so gut kennt, kann hier etwas mehr nachlesen über den Eremiten.

Forever pink: Mauros Frühstücksausblick am Rosa Strand, stets menschenleer.

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Selten und geheimnisvoll: Feuchtheißer Seerauch
umhüllt Mauros Rosa Strand

Seerauch über dem Rosa Strand. Foto: Mauro Morandi

Budelli, 22. Juni 2019. Für seine 80 Jahre und die Tatsache, dass er das ganze Jahr über allein auf Budelli lebt, ist es immer wieder erstaunlich, wie übel es Mauro dem Himmel nimmt, wenn er Wolken schickt. Oder Seerauch, wie in diesem Fall. Das Phänomen ist nichts anderes als normaler Nebel, der in diesem Fall entsteht, wenn sehr feuchte, warme Luftmassen über relativ kühles Meerwasser streichen (hier Link zu 3-Tage-Vorhersage für die Oberflächentemperaturen der vier sardischen Meere). Es ist typisch für die letzten Frühjahrs- und ersten Sommertage in Sardinien, da das Meer wegen des verregneten Frühlings noch immer verhältnismäßig kühl ist, sich die Luftmassen in den letzten zwei Wochen jedoch erheblich bis zu fast 40 Grad aufgeheizt haben.

Mauro begeistern zwar naturwissenschaftliche Erkenntnisse. Aber in diesem Fall hat der gebürtige Modenese nicht viel dafür übrig: „Raramente, ma a volte capita….. atmosfera padana“, schreibt er unter den Post auf seinem Facebook-Account, „Selten, passiert aber manchmal….. pandanische Atmosphäre“.

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Flammender Himmel, magische Ursuppe:
Frühstückskulisse von Mauro, dem Eremiten-König

Flammender Himmel, magische Ursuppe: Insel-Eremit Mauro lebt seit 30 Jahren allein am Rosa Strand auf Budelli – und will mit niemandem tauschen. Foto: Mauro Morandi

Budelli, 30. Mai 2019. Eigentlich sind es zwei Dinge, die nicht zusammenpassen – Smartphones und Robinson Crusoe. Aber im Fall vom skurrilsten Insel-Eremiten des Mittelmeers ist dies ein rares Glück Denn Mauro Morandi, seit nunmehr 30 Jahren Herr des kleinen Eilands Budelli im Maddalena-Archipel, hat sein Talent als Fotograf im zarten Alter seiner Endsiebziger entdeckt – und läuft nun zur Hochform auf.

Das Glück betrifft eine stets größer werdende, sich inzwischen auf fast 10.000 Follower belaufende Fan-Schar, die dem mittlerweile 80 Jahren alten Modenesen auf dessen Facebook-Profil folgt.

Und Mauro beschränkt längst nicht mehr nur auf sein Lieblingsmotiv (siehe oben), dass er vom legendären, für die Öffentlichkeit aus Naturschutzgründen seit Jahren nicht mehr zugänglichem Rosa Strand in Richtung Südost zur Maddalena-Hauptinsel fotografiert. Zunehmend versucht er sich auch mit expressionistischen Experimenten, bei denen er das Motiv auf verschiedene Farben, Oberflächen und Lichtverhältnisse reduziert – und beim Betrachter wahre Assoziationsstürme auslösen können.

Winterwald, Sternenfusion, Eissee im Mondschein?
Foto: Mauro Morandi

Sauwetter Ende Mai mit nur 18 Grad: Insel-Emerit Mauro (80) mault über Rosa Strand in grau

Rosa Strand in Grau. Foto Mauro Morandi

Budelli, 26. Mai 2019. Die Schweinerei war angekündigt, aber ist deswegen für Mauro nicht weniger deprimierend: 18 maue Grad und ein Grau, das sogar die letzten kleinen rosa Sandkörner auf der Spiaggia Rosa schluckt, versetzten den 80 Jahre alten Eremiten von Budelli in Miesepeter-Laune. „Ein perfekter Herbsttag“, schreibt er unter seinen Facebook-Post. Mit dem einzigen Unterschied, dass es im Herbst auf Sardinien selbst an den windigen Bocche di Bonifacio immer noch richtig heiß ist.

Auch die Vorhersage für die nächsten drei Tage bleibt ähnlich. Wenn das so weitergeht, könnten die Wassertemperaturen (hier ein Link zur aktuellen 3-Tage-Vorhersage für die vier Meere um Sardinien) vielleicht die Lufttemperaturen sogar im Juni tagsüber noch überholen? Ganz so schlimm wird es wohl doch nicht kommen. Ab Dienstag steigen die Temperaturen auch im Norden Sardiniens im Maddalena-Archipel auf deutlich über 20 Grad an. Zum Ende der Woche soll es dann wieder richtig warm werden mit Temperaturen über 25 Grad – und vor allem mehr Sonne und weniger Wolken.

Neue Wolkenfront lässt Mauros Paradies am Rosa Stand leuchten
Wochenende soll inselweit im Regen absaufen

Heftiger Seegang hat in den vergangenen Tagen satt rosa Sand am Rosa Strand von Budelli angespült. Foto: Mauro Morandi

Mauri ist grün vor Wut, dass die Sonne schon wieder verschwunden ist, nachdem sie in dieser Woche ein paar ernsthaftere Versuche unternommen hat, dem sardischen Frühjahr die Ehre zu erweisen und die Temperaturen über den deutschen Sommerdurchschnitt zu treiben. Heute sind sie in der Gallura bei knapp über 20 Grad Maximum hängengeblieben – und sacken nachts auf sardisch-arktische 12 Grad ab.

Wolken sind inzwischen wieder über den Maddalena-Archipel gezogen. Doch so grün, wie sie Mauros Gesicht machen, so herrlich tauchen sie den Rosa Strand in eine Pastel-Palette, wie sie nur Wolken hervorzurufen vermögen. Die Temperatur des Oberflächenwasser (hier ein Link zu allen vier Meeren um Sardinien mit 3-Tage-Vorhersage) hat mittlerweile immerhin die 17-Grad-Marke selbst im hohen Norden Sardiniens gekackt – zu kalt für diese Jahreszeit, viel zu kalt.

Der Mai neigt sich dem Ende zu, doch Besserung ist nicht in Sicht – zumindest an diesem Wochenende nicht. Denn Sonntag soll sogar die gesamte Insel im Regen absaufen – ab Montag sogar mit Gewittern im zentralen und südlichen Bereich der Insel. Auch an den meisten Küstenorten sollen die Tagestemperaturen wieder unter 20 Grad rutschen.

Und wer auf die Vorhersage von tempoitalia schaut, bekommt eine Krise. Denn an dem Wetter soll sich bis mindestes Mitte der Woche nix ändern. Erst ab Freitag schießen die Temperaturen wieder richtig in die Höhe – mit 26 Grad zwischen Toroli und Olbia.

Mauro macht den Monet vom Rosa Strand: Wolkiges Pastell-Feuerwerk über den Bocche di Bonifacio

Cumulus, die von Korsika über die Bocche di Bonifacio gerade Richtung Rosa Strand ziehen.
Foro: Mauro Morandi

17. Mai 2019: „Cumulonembo carico di pioggia“ – „Cumulus nimbus mit Regen überfrachtet“ lautet der lakonische Kommentar von Mauro an diesem Freitagmorgen zu den Wolken, die ein wahres Feuerwerk von Pastellfarben an den Himmel über dem Maddalena-Archipel und den Bocche di Bonifacio zaubern. Der Eremit hat es gerade gepostet auf seinem Facebook-Account, die ersten seiner rund 10.000 Abonnenten überschütten ihn bereits mit Komplimenten für das Bild, das aus der Farbpalette von Cluade Monet zu stammen scheint. Mauro lässt das kalt – so wie der ungemütliche Nordost-Wind, den der knapp 80-Jährige hasst wie die Pest: „È sempre grecale… cazzo….“

Rein temperaturmäßig muss Mauro in in dem einzigen Haus auf seiner kleinen Insel noch immer schon den Kamin anwerfen – denn es wird noch bis 8 Grad klammkalt. Und auch tagsüber kommen die Temperaturen nicht über 18 Grad hinaus (hier geht’s zur Vorhersage). Und auch die Wasseroberflächentemperaturen (hier zum Link einer 3-Tage-Vorschau zu den der vier Meere um Sardinien!) schaffen es in den Bocche di Bonifacio bisher nicht über die 17-Grad-Marke. Der Hammer aber ist: das soll sich auch in den nächsten Tagen nicht wesentlich ändern. Erst am kommenden Donnerstag soll es mit 24 Grad wieder wirklich wärmer werden.

Mauro stöhnt über Natur-Schönheit an seinem Rosa Strand,
für die Flavio Briatore viel Geld zahlen würde

14. Mai 2019: Mauro gibt nicht auf – und verzaubert die Welt mit seinen Smartphone-Schüssen ohne Plan. „Vielleicht wird es morgen besser“, schreibt er unter das Bild, das er gestern Abend über dem Rosa Strand gemacht hat. Und dessen Wolken ins rosarotes Licht getaucht diesem einzigartigen Ort galant die Referenz erweisen. Flavio Briatore würde dafür viel Kohle zahlen, um das von Mauros Terrasse aus sehen zu können. Aber der ewige Eremit hat den Formel-1-Fuzzi und Besitzer des sardischen „Billionaire“ abblitzen lassen. Und dies, obgleich der damals in Begleitung von Naomi Campbell auf einmal bei Mauro auf der Bastmatte stand. Nachzulesen hier in der entzückenden Reportage.

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Allein auf Budelli: Der alte Mann, das Meer und
die nie erlöschende Suche nach mehr Sinn im Leben

Samstag, 11. Mai, Sonnenaufgang am Rosa Strand. Foto: Mauro Morandi

12. Mai 2019: Mauro postet zwei Bilder vom Sonnenaufgang des Vortags gegen 6.30 Uhr von seinem Paradies, dem Rosa Strand. Oft lösen Wolken am Himmel über seinem Rosa Strand graue Gedankenstürme in ihm aus. Diesmal hat er versucht, mit Hilfe von Digital-Filtern den Tagesbeginn etwas „freundlicher“ zu gestalten.

Es sieht aber ganz so aus, als wenn Filter am Ende dieses Wochenendes Mauro nichts mehr nützen werden. Denn nachdem die Temperaturen am Samstag an der 25°-Marke gekratzt haben und der Insel kurz das Gefühl des Sommers brachten, stürzen sie nun erneut in den Keller – mit viel Wind und Regen.

Sonntagnachmittag, 12. Mai, Flucht vor dem Sturm. Foto: Mauro Morando

Er wird sich also ein bisschen gedulden müssen, bis er wieder auf seinem Baumstumpf am Rosa Strand nachts sitzen, Blick und Gedanken über das Meer schweifen lassen und sich auf den nächsten Sonnenaufgang freuen kann. Dort, wo er am liebsten jeden Tag mit einer letzten Zigarette beschließt, allein mit sich und den Sternen: „Hier fühle ich jeden Tag, dass ich lebe“, sagte er mir beim letzten Besuch auf Budelli persönlich (hier nachzulesen in einer Reportage für Deutschlandradio Kultur).

Mauro im Januar 2018 mit Vollmond an seinem Lieblingsplatz.

Posts aus dem verbotenen Paradies: Der Rosa Strand von Mauro, dem Robinson des Mittelmeers

Posts aus dem verbotenen Paradies: Der Rosa Strand von Budelli, gerade aufgenommen von Mauro Morandi, dem Eremiten von Budelli.

Budelli, 7. Mai 2019. Treuen Followern von Sardinien Intim ist Mauro Morandi kein Unbekannter mehr. Ich habe ihn vor fünf Jahren im Anfang Januar auf Budelli besucht für die Recherche von Reportagen, die bei Deutschlandradio Kultur und dem Playboy erschienen sind. Geschichten über einen Mann, der nicht so genannt werden will, wie er genannt wird: der Robinson Crusoe des Mittelmeers.

„Ich bin kein Robinson“, korrigierte Mauro mich sofort. „Robinson wollte weg von seiner Insel. Ich nie.“

Mauro ist immer noch da – seit 1989. Der einstige Sportlehrer aus Modena, einst glühender Kommunist, der zum Anarchen wurde, als ein militanter Arm unter dem Namen Brigate Rosse begann, Menschen zu ermorden, hat auf Budelli sein Paradies gefunden. Sein Nirvana.

Budelli? Eine winzige Insel, etwa so groß wie Helgoland. Aber: sie liegt an den windumtosten Bocche di Bonifacio, zwischen Sardinien und Korsika. Und: gewissermaßen ist sie sein, diese Insel. 25 Jahre war er Wächter für einen privaten Besitzer. Dann erwarb nach einem langen Rechtsstreit die Region Sardinien das Eiland, längst Teil des La-Maddalena-Naturpark: Betreten verboten. Zumindest am Rosa Strand. Wegen Sandklau.

Wen die Geschichten von Mauro interessieren, der findet in der Reportage für den Deutschlandfunk und bei Sardinien Intim viele Details.

Wer wissen will, wie es gerade auf Budelli aussieht, der findet fortan hier, in dieser neuen Kolumne namens L’oblò di Mauro (Mauros Bullauge) aktuelle und ausgewählte Fotos vom Robinson des Mittelmeers, der sich freut, seine Bilder mit den Lesern von Sardinien Intim zu teilen. Mit kurzen, kauzigen und köstlichen Kommentaren des Fotografen, der auf dieser Insel seit drei Jahrzehnten lebt. Als einziger regelmäßiger Bewohner.

Aber nicht allein. Denn er ist umgeben von Narzissen, Lilien, wilden Pistazienbüschen, Kakteen, einem fischreichen Meer und einer paradiesischen Kulisse, von der er 50 Jahre lang träumte. Und in der er seit 30 Jahren allein lebt.

1 Antwort

  1. L.Auriga sagt:

    Hochachtung! Vor soviel Mut -so zu leben für die Natur- so ein Mensch- müsste unterstützt werden in seinem TUN- für seine Arbeit die Seine Passion ist- müsste der Staat sich vor ihm verneigen und gerechter Weise auch bezahlen- ihm ein ansprechendes Haus zur Verfügung stellen-Rechte geben unbefugte zurecht zu weisen und weg zu schicken —- ohne diesen Menschen würde dieses Paradies vermüllen -Er sorgt doch nur für die Schönheit der Natur- die sich ohne solch Menschen nicht selbst helfen kann!!!

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