Beppe Severgninis „45 gute Gründe, Sardinien zu lieben“

Wer die Geheimnisse des sardischen Charakters ergründen will, der sollte nicht ans Meer, sondern ins Inselinnere fahren – zum Beispiel nach Mamoiada in die Barbagia. Foto © Ulf Lüdeke

Beppe Severgnini

Beppe Severgnini zählt zu den bekanntesten Journalisten Italiens. Vor allem bekannt ist der mittlerweile 60-Jährige, dessen Markenzeichen schneeweiße, drahtige Haare sind, durch den Witz und Charme seiner Kolumnen für den Mailänder Corriere della Sera. Er hat längere Zeit in Amerika als Journalist gearbeitet.

„Beppe“, wie die meisten Italiener ihn nennen, moderiert Talkshows in TV und Radio und schreibt Bücher, die sich oft italienischen Klischees widmen, die er selbstironisch aufs Korn nimmt. Einige sind auch auf Deutsch erschienen wie zum Beispiel: „Überleben in Italien… ohne verheiratet, überfahren oder verhaftet zu werden“. Vor allem aber ist Beppe seit 1972 bekennender Sardinien-Fetischist.

Seine „45 guten Gründe, Sardinien zu lieben“ kursieren seit Jahren wild in den sozialen Medien Italiens. Hier sind sie nun endlich ins Deutsche übersetzt – exklusiv bei Sardinien Intim :

1


Das Meer liegt liegt zwischen dem Festland und dieser Region. Die Leute enden dort nicht zufällig, sondern, weil man es will.

2


Die Farbe des Wasser. Da kommt keine Karibik mit.

3


Der Sand ist nicht pulvrig. Er rieselt ins Ohr, kommt aber dann wieder raus.

4


Die Strohblume parfümiert Sardinien, oder Sardinien parfümiert die Helichrysum. Den Unterschied habe ich noch nicht begriffen, ist aber auch nicht wichtig.

5


Die traditionellen Täne. Nach drei filu e ferru tanzen auch die Mailänder.

6


Die Augen der Frauen. Schaut sie euch an, und ihr versteht, warum in Sardinien sie das Sagen haben.

7


Die Maloreddus haben einen sympathischen Namen.

8


Die Schafe wirken philosophisch.

9


Cagliaritani und Sassaresi sind so beschäftigt, untereinander zu streiten, dass sie keine Zeit haben, sich uns Festländlern zu widmen.

10


Die sardische Wurst ist eine sexy Salami.

 11


Die Seadas mit Honig sind eine legale Droge.

 12


Der Wacholder ist die botanische (und gewundene) Version der Nuraghier: solides Zeug, das hält.

13


Sie haben die Piazzetta Sabauda ruiniert, aber Santa Teresa di Gullura widersteht. Ich gehe hinunter zu Rena Bianca, strecke mich aus und schaue auf Korsika, das die Zähne zeigt. Wunderbar.

14


Auf der Straße nach Castelsardo glaubt man, in Colorado zu sein. Dazu kommt noch rechts das Meer.

15


Die Rüpel bleiben (fast) alle an der Costa Smeralda.

16


Meine sardischen Freunde mögen keine corbezzoli (Meerkirschen). So kann ich sie allein essen.

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Die Sarden denken erst nach, bevor sie sprechen.

18


Rena Majore war 1979 moderner als 2009.

19


Kein Camilleri, kein Montalbano. Aber über Sardinien haben Satta, Carlo Levi und D.H. Lawrence geschrieben. Heute: Niffoi, Fois und Soriga (der ein wenig den Engländer gibt).

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Den Akzent kann man imitieren. Es reicht, mit geistreichen Sarden zu üben.

21


Der Gebrauch des Gerundiums ist faszinierend. (Scherzend bist du?)

22


Einige Buchten sehen aus wie Bildschirmschoner.

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Der Wind macht viele Touristen nervös, die nicht wiederkommen. Perfekt, so gibt’s mehr Platz.

24


Ein Platz, der von Meer (und was für einem!) umgeben ist, hat sich auf die Fleischgerichte spezialisiert.

25

 

„Wenn die Fähre am Ende der Nacht sich Sardinien nährte, hoben wir die Nase, um den Duft zu atmen. Wichtig war, nicht aufzufallen. Als 18-Jähriger waren Witze und Schimpfwörter angesagt, nicht aber das Gedicht des Sonnenaufgangs über dem Meer.“ (romantische Erinnerungen aus Italiener wird man)

 

26


Die Straßenarbeiten am Hafen von Olbia sind beendet. Unglaublich.

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Sardinien gefiel 
(Indro) Montanelli und (Fabrizio) De Andrè.

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Bortolo Severgnini (Bruder von Opa Giuseppe) wurde als junger Staatsanwalt nach Tempio Pausania geschickt. Andere Zeiten, andere Mücken.

29


Wer sagt, die Sarden seien klein? Sie sind bündig.

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Das Doppel-S hat ein sympathisches Knistern – hört auf Francesco Cossiga. Auch, wenn ich nicht damit einverstanden bin, was er sagt, gefällt mir, wie er es sagt.

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Nah an die wunderbare Mutterinsel schmiegen sich großartige kleine Inseln (Maddalena, Caprera, San Pietro und Asinara)

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Alghero schmeckt nach Spanien, Cagliari nach Süden, Palau nach Wind, Oristano nach Sonne und Masua nach blauem Zucker.

33


Kalter Vermentino und eiskalter Mirto haben die gleiche Wirkung wie Barbecue-Soße in den USA: sie beschwören den Sommer herauf.

34


Die Ferkel sind schön und lecker.

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Der Stadtstrand Poetto in Cagliari – zivilisiert und dezent. Und es gab sogar Keks-Eis.

36


Capo Testa vom Wind modelliert. Klingt banal, ist aber wahr.

37


Die sardischen Frauen haben viel früher damit begonnen sich in schwarz zu kleiden als die Pressefuzzis der Mailänder Modefirmen.

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Wenn du Sarden anrufst, erinnern sie sich immer, wer du bist.

39


Der motorisierte Wasser-Grobian tritt in Sardinien recht selten auf. Im Meer hört man gelegentlich seine Wellen.

40


Kork ist viel sympathischer als Plastik.

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Cala Capra, unterhalb von Palau. Ein Schwimmbad wie in Florida, nur ohne die Nachteile von Florida.

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Wenn sie in Montirussu (Aglientu) eine Hotelanlage bauen sollten, wende ich mich an die UN.

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Die Pflanzen, die vom Mistral krumm gewachsen sind, sehen aus, als kämen sie gerade vom Frisör.

44


Es gibt immer einen leeren Strand, auch im August.

45


Der Sommer ist nicht eine laufwarme Brühe wie in Kalifornien. Der sardische Sommer beginnt (Juni), dauert an (August), wird müde und geht fort (September). Mit anderen Worten: schönen Urlaub, wir sehen uns dort.

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1 Antwort

  1. Anja sagt:

    Das sind wirklich gute Gründe, sich offenen Herzens und sehenden Auges auf die Insel einzulassen. In vier Wochen bin ich schlauer und gespannt, auf wie viele Gründe ich komme. Ich freue mich!

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