Cannonau hat die Nase vorn: 15 Weine aus Sardinien räumen “Gold” beim Gambero Rosso ab

Weintrauben Gegenlicht

Cagliari, 4. Oktober 2020. Rekordmäßig viele exzellente Auszeichnungen, aber vor allem ein ungewöhnlich deutliches Lob von Italiens renommiertem Weinführer, dem “Guido Vini d’Italia” des Jahres 2021 vom Gambero Rosso – das hat es so noch nicht gegeben. 400 getestete Wein, 200 mit mindestens einem begehrten “bicchiere” (Glas) von dreien ausgezeichnet, 48 kommen in die Entausscheidung und satte 15 fahren die “Goldmedaille” der italienischen Weinprämierung mit drei “bicchieri” ein: der sardische Weinmarkt mausert sich immer stärker auch auf institutioneller Ebene zu einem Aushängeschild der italienischen Winzer.

Nach Einschätzung des legendärsten Restaurant- und Wein-Führers des Bel Paese ist Sardinien inzwischen in Bezug auf die Qulität sogar “unter den besten Regionen Italiens”. Vor allem, wenn man bedenke, so die Experten, dass noch vor gerade einmal zehn Jahren nur “eine Handvoll” Weine mit dem Glastrio prämiert wurde. Der Trend geht jedenfalls immer weiter nach oben – im vergangenen Jahr war es nur ein Wein weniger als in diesem, der mit “drei Gläsern” ausgezeichnet wurde.

Cannonau und Carignano meistprämiert

Vor allem der klassischste aller sardischen Roten räumt ab – der Cannonau, gefolgt vom Carignano, der seine besten Qualitäten in der Sulcis-Region erreicht. Und, nicht zu vergessen, die sardischen Vermentino-Variationen, die am besten auf dem Gallura-Granit gedeihen und sich hier intensiver, vielfältiger und charaktervoller präsentieren als in allen anderen italienischen Regionen. Und auch der sardische Dessert-Wein Vernaccia, der für die sandigen Böden der Tiefebene um Oristano und die windumtoste Sinis-Halbinsel steht, wurde gleich zweimal mit den “tre bicchieri” ausgezeichnet.

Die Liste der prämierten sardischen Weine

Die besten Rotweine des Gambero Rosso 2021

  • Cannonau di Sardegna Cl. Dule ’17 – Giuseppe Gabbas
  • Cannonau di Sardegna Mamuthone ’17 – Giuseppe Sedilesu
  • Cannonau di Sardegna Naniha ’18 – Tenute Perdarubia
  • Cannonau di Sardegna Nepente di Oliena Pro Vois Ris. ’15 – F.lli Puddu
  • Capichera V. T. ’17 – Capichera
  • Carignano del Sulcis 6 Mura Ris. ’17 – Cantina Giba
  • Carignano del Sulcis Sup. Terre Brune ’16 – Cantina Santadi
  • Nuracada Bovale ’18 – Audarya
  • Su’ Nico ’18 – Su Entu
  • Turriga ’16 – Argiolas

Die besten Weißweine des Gambero Rosso 2021

  • Alghero Torbato Catore ’18 – Tenute Sella & Mosca
  • Vermentino di Gallura Sup. Sciala ’19 – Surrau
  • Vermentino di Sardegna Stellato ’19 – Pala
  • Vernaccia di Oristano Antico Gregori ’76 – Attilio Contini
  • Vernaccia di Oristano Ris. ’68 – Silvio Carta

Wein-ABC und Top 10 von Sardinien Intim

Auszeichnungen renommierter Experten sind eine Sache, persönliche Geschmacksnoten eine andere. Und deshalb hat auch Sardinien Intim schon lange ein eigene Ranking der besten sardischen Rotweine und Weißweine. Und wer etwas mehr über die Besonderheit der sardischen Winzer wissen möchte, der findet hier in einem kleinen Wein-ABC Sardiniens eine kurze Einführung in die Besonderheit der Weinwelt Sardiniens, die lange Zeit völlig anders geblieben ist als auf dem “Continente”, wie die Sarden Festland-Italien nennen.

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Üppig und formidabel: Sardiniens Winzer
steuern auf eine Spitzenweinernte zu

Cagliari, 5. September 2020. Nach einer längeren Durststrecke für Sardiniens Winzer kündigt sich 2020 endlich wieder eine Erholung an. Die diesjährige Weinernte soll nicht nur qualitativ gut ausfallen, sondern auch quantitativ, nachdem die drei vergangenen Jahre von Frostschäden, Qualitäts- und Quantitätseinbußen geprägt waren. Das gaben jetzt die drei Organisationen Unione Italiana Vini, Assoenologi und Ismea in einem Ausblick auf die laufende Weinernte bekannt.

Hier geht’s zum Wein-ABC Sardiniens

Entgegen der herben Einbrüchen, die die Tourismusbranche wegen der Coronakrise in diesem Jahr hinnehmen muss, wird dem Weinsektor ein Wachstum von 18 Prozent prognostiziert, berichtet der italienische Agrar-Dachverband Coldiretti. So soll die Menge von 363.000 auf 429.000 Hektoliter in diesem Jahr steigen. Der erwartete Ertrag soll sich 2020 in den Durchschnitt der letzten zehn Jahre einreihen.

2020 besonders starker Vermentino-Jahrgang erwartet

Besonders die Vermentinotrauben lassen die Winzer Sardiniens hoffen, die Erträge liegen deutlich über dem Durchschnitt. 2019 hatten Fröste besonders dem Chardonney zugesetzt. “Die Weinsektor ist das Flaggschiff der sardischen Agrarwirtschaft. Wir hoffen, dass der Anfang der Weinernte auch zugleich einen Neuanfang in wirtschaftlicher Hinsicht bedeutet”, erklärte Sardiniens Coldiretti-Präsident Battista Cualbu.

Nach Angaben der Coldiretti teilen sich in Sardinien 38.000 Agrarbetriebe eine Rebenanbaufläche von 27.000 Hektar, die jährlich einen Umsatz von 150 Millionen Euro erzielen. Die am meisten angebaute Rebsorte ist der typisch sardische Cannonau mit 7500 Hektar, gefolgt vom Vermentino mit 4580 Hektar.

Zur Liste der 10 besten Rotweine Sardiniens

Die besten Weißweine Sardiniens

Weine: Die Top 10 Sardiniens

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Schmecken, nicht trinken auf Kommando: die Gaumenriege, die in Verona bei Vinitaly über Gedeih und Verderb der neuen Weine 2019 entscheidet. Foto: Vinitaly

Serranu aus Monti: Vinitaly in Verona krönt
sardischen IGT zum besten Rotwein Italiens 2019

Verona, 9. April 2019. Es ist eine Überraschung, die eigentlich keine richtige mehr ist: Ein Sarde, besser gesagt ein IGT aus der Provinz Sassari, ist bei der gerade begonnenen wichtigsten internationalen Weinmesse Vinitaly in Verona von dem Weinführer “5StarWines” als bester Rotwein Italiens des Jahres 2019 gekürt worden, wie das Portal Sardiniapost berichtet.

Prämiert wurde der Serranu des Jahrgangs 2015, ein Isola dei Nuraghi, den die Kellerei Tani di Monti in der Provinz Sassari kreiert. Der rubinrote Tropfen mit Granatreflexen und weichen Tanninen hat die Prüfer 95 von 100 möglichen Punkten spendieren lassen.

Warum das keine Überraschung ist? Dafür gibt es mindestens zwei gute Gründe.

Grund 1: Sardiniens Weinmarkt ist zwar inzwischen spudoratamente caro, unverschämt überteuert, wie so vieles auf der Insel, die vor nicht mal 100 Jahren vor allem aus bettelarmen Schäfern bestand. (Wen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Preis und Geschmack stimuliert, der möge auf die Top 10 der Rot- und Weißweine einen Blick werfen, die Sardinien Intim empfiehlt)

Aber abgesehen von der Tatsache, dass die Überteuerung der Weinpreise auch für andere Gegenden Italiens gilt, gibt kaum eine andere unter den 20 italienischen Regionen, in denen die Zahl qualitativ herausragender Weine so stark wächst wie in Sardinien.

Grund 2: Wer den sardischen Weinmarkt beobachtet hat in den letzten Jahrzehnten (salute!), weiß, dass er seine Stärke ganz besonders aus dem Gütesiegel IGT schöpft. IGT steht für Indicazione Geografica Tipica, die dem deutschen Landwein oder dem französischen Vin de Pays entspricht. Und damit der zweitniedrigsten Qualitätsstufe über den Tafelweinen, unter dessem Etikett sich so gut wie alles verhökern lässt.

Länger als anderswo sonst haben sich die sardischen Winzer dagegen gewehrt, fremde Technologien in ihre Katakomben zu lassen. Sie schworen wie die bäuerlichen Selbsterzeuger auf ihr Wissen, das sie hatten, ohne fremde Ratschläge von außen zu akzeptieren. Was im Fall der Selbsterzeuger Weine hervorbrachte, die mehr Essig denn Wein ähnelten – und folglich eiskalt getrunken wurden, da nur so ohne unmittelbaren Schock genießbar. Die Sitte ist heute noch weit verbreitet und nur zum Teil der Tatsache geschuldet, dass angebrochener Rotwein sich bei den wüstenähnlichen Sommertemperaturen hier natürlich wesentlich kürzer hält, wird er nicht künstlich gekühlt.

Ein weiterer Vorteil, der diese antiquierten Methoden so lange konservierte, war, dass die Selbsterzeuger den Wein oft mit sehr altem oder gar durch Maden zusätzlich fermentierten Käse (in der Regel pecorino – Schafskäse, der in der Madenvariante casu marzu, verdorbener Käse, genannt wird ) zu sich nahmen. Nach dem Genuss dieses Käses, der nach italienischem Lebensmittelgesetz verboten ist und trotzdem als Delikatesse gilt, schmeichelt saurer Wein dem Gaumen geradezu.

Doch während der essigähnliche Rotwein neben dem verbotenen Käse in oft fensterlosen Küchen sardischer Bauernhäuser noch immer sein markantes Dasein fristet, hat sich die Welt der Winzer in Sardinien längst emanzipiert. Moderne Methoden haben Einzug gehalten in die alten Weinkeller, aus weniger Sturköpfigkeit wurde mehr Erfolg, ohne die Traditionen zu verraten. Zum Teil sind auch sehr moderne, absolut avangardistische Kellereien entstanden – wie zum Beispiel Mesa in Sant’Anna Arresi.

Und der IGT – der hat daran einen ganz besonderen Anteil. Denn obwohl er als minderwertig gilt, weil “nur” mindestens 85 Prozent der Trauben (und nicht 100 wie bei DOC oder DOCG) aus der angegebenen lokalen geographischen Gegend stammen dürfen, hat der Verschnitt mehrer sardischer Trauben den sardischen Weinen nicht nur zu einem Qualitätssprung in den letzten Jahren geholfen. Sondern er hat vergorene Rebsäfte hervorgebracht, die charakterlich zu 100 Prozent wie die Sarden selbst einzigartig und stark sind, jedoch nicht nur den casu marzu essenden Sarden selbst schmecken, sondern auch einem wesentlich breiteren Publikum.

Berühmtestes Beispiel für einen sensationellen IGT ist der Turriga von Argiolas, dessen verschiedene Trauben auf den kalkhaltigen Lehmböden zwischen 200 und 300 Metern Höhe um Serdiana herum bei Cagliari wachsen. Erschaffen wurde dieser umwerfernde, kraftvolle und trotzdem leicht abgehende Rote vom leider sterblichen italienischen Weingott Giaccomo Tachis († 2016), der als der Vater nicht nur der sardischen, sondern italienischen Weinrenaissance gilt.

Abgesehen von Cabernet Sauvignon, die auch in Sardinien immer wieder gern verschnitten wird, jedoch nicht ursprünglich von der Insel stammt, werden in den roten sardischen Cuvées ansonsten nur autochtone Trauben verwandt – wie Cannonau, Bovale, Syrah, Carignano oder Monica. Sie sind berühmt für den hohen Anteil an Anti-Okzidantien, denen auch nichtsardische Gerontologen einen lebensverlängernde Wirkung zuschreiben.

Und das dürfte auch für den Serranu gelten, der jetzt in Verona zu Italiens bestem neuen Rotwein gekrönt worde.

In diesem Sinne: A kent’annos, auf hundert Jahre, wir der Sarde beim Anstoßen sagt.

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