Ein ewiges Dolce Vita: Wie die US-Vogue das Geheimnis sardischer Langlebigkeit entdeckte

Die unvergleichliche Marisa Berenson, Muse von US-Modefotograf Herny Clarke, 1967 unsterblich gemacht für die amerikanische Vogue, ihre weichen Kurven 1967 verführerisch bettend auf galluresischem Granit an der Costa Smeralda. Und nun von US-Vogue als scheinbar alterlose Illu-Ikone und Referenz an die sardische Langlebigkeit wiederentdeckt.

Ein Geheimnis ist es im Zeitalter der Mittelmeer-Diät nicht mehr so richtig. Doch das Bild fasziniert immer wieder: Sardinien, die Insel der Hundertjährigen. Denn nirgendwo sonst auf der Welt werden die Menschen so alt wie hier. Nirgendwo sonst ist der Anteil von Hundertjährigen an der Bevölkerung so groß wie hier – allenfalls noch auf Hanshu und Kyuchu, vulgo Japan.

Wie Chanel in einem Video den sardischen Hundertjährigen huldigt:

Seit mehr als zwei Jahrzehnten beschäftigen sich Gerontologen in Projekten nun schon mit den Ursachen für das außergewöhnliche Lebensalter, das die Sarden im Durchschnitt erreichen. Und haben ein Mix aus außergewöhnlicher Fürsorge für die Ur-Alten im Schoß der Familie, mindestens 80 Jahren harter Arbeit auf dem Feld oder in den Bergen als Schäfer und naturbelassener Ernährung ausgemacht als Grund.

Lebensverkürzende Bacchanale? Nicht auf Sardinien

Und last, but not least, wird mindestens genauso gern von Bacchus-Jüngern zitiert: eine exorbitant hohe Konzentration von Anti-Oxidantien in den Weintrauben Sardiniens (hier mehr zu diesem leckeren Thema beim Wein-ABC Sardiniens…). Die zudem ihre ganze Anti-Ageing-Magie entfalten, obwohl nicht roh gegessen, sondern vergoren getrunken. Dass dies keine  billige Entschuldigung ist für in der Regel eher lebensverkürzende Bacchanale, zeigt, dass Wissenschaftler das Akronym des Trinkspruchs “A kennt’ annos” zum Namen für das älteste Forschungsprojekt zur sardischen Langlebigkeit gewählt haben: Akea.

Berenson mit Miesmuschel-Perücke. Wenn die Muscheln aus dem Golf von Olbia stammen, dann zählen sie zu den besten, die das italienische Mittelmeer zu bieten hat.

Inzwischen hat sich das sogar bis in den für gesunde Ernährung eher weniger bekannten USA rumgesprochen. In der US-Ausgabe der französischen Modezeitschrift Vogue huldigte im Herbst vor zwei Jahren die aus Manhatten stammende Autorin Lilah Ramzi dem Phänomen, Überschrift: “Von Sardinien lernen, wo die Einheimischen das Dolce Vita länger leben als irgendjemand sonst.”

Die Costa Smeralda ist alles – nur nicht Sardinien

Zwar kam die Feder des legendären Edel-Modejournals bei ihrem fünftägigen, Mietwagen-freien Sardinien-Tripp nicht über die Costa Smeralda heraus, die der Ismaeliten-Prinz Aga Khan den ahnungslosen, bettelarmen Schäfern Anfang der 60er-Jahre für’n Appel und’n Ei abgeluchst hat, obwohl die das Land gerade von der Region als vermögensbildende Leistung und Anerkennung für das damals noch wirtschaftliche Rückgrat der Insel geschenkt bekommen hatten. Und wenn die schillernde Costa Smeralda nun für irgendetwas wirklich nicht steht, dann dies: für das klassische Sardinien.

Doch die Autorin kommt zu dem gleichen Schluss wie die Gerontologen: Ein wichtiger Teil des Schlüssels der Langlebigkeit liegt – außer in körperlicher, fast pensionsfreier, lebenslanger Arbeit – vor allem in der Art und Qualität der sardischen Lebensmittel und Küche begründet (die man im Übrigen auch an ausgewählten Plätzen der Costa Smeralda serviert bekommt – selbst wenn sie dort ein Vielfaches mehr kosten als sonst wo auf der Insel).

Und wer würde den Schlusssatz von Lilah Ramzi nicht mittragen: “Wen wundert es wirklich bei der Hingabe der Italiener, das gute Leben zu leben, dass das Dolce Vita hier am längsten währt?”

Wer sich noch nicht sattgelesen oder gehört hat

Und wer sich dem Thema mit Humor nähern will, dem seien “45 gute Gründe, Sardinien zu lieben” von Star-Journalisten Beppe Severgnini empfohlen, von denen sich mehrere dem Thema Ernährung widmen. Kostprobe: “Die sardische Wurst ist eine sexy Salami”.

Und wer einfach nicht genug bekommen kann von diesem wirklich faszinierenden Thema, dem seien diese drei Radio-Reportagen ans Herz gelegt, von Sardinien-Initm-Blogger Ulf Lüdeke allesamt für Deutschlandradio Kultur realisiert:

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