Schäfer zahlt Versuch, Herde vor tödlicher Schlammflut zu retten, mit dem Leben – Sardinien nach Unwetter unter Schock

Ein Bild der Verwüstung zeigt sich auf den Straßen in Bitti. Foto: Vigili del Fuoco

Bitti, 29. November 2020. Einen Tag nach den verheerenden Regenfällen wird langsam das Ausmaß der Zerstörung vor allem im Norden Sardiniens sichtbar. In Bitti zeigt sich ein Bild der Verwüstung. Um die Mittagszeit hatten sich dort Schlammfluten wie eine reißender Fluß den Weg durch die Gassen gebahnt. Kurz nach dem Unglück wurde in Sardinien der Notstand ausgerufen. Das Militär hilft inzwischen bei den Aufräumarbeiten in der 3000-Einwohner-Gemeinde i rund 30 Kilometer nördlich von Nuoro.

Das Zentrum von Bitti wurde schwer beschädigt durch die Schlammflut. Auf den Straßen türmt sich zum Teil mehrere Meter hoch mitgespültes Erdreich, überall wurden Autos wie Spielzeugwagen mitgerissen. Zahlreiche Häuser sind nicht mehr betretbar, da das Erdreich die Hauseingänge bis an die Oberkante der Türsimse versperrt. Vorläufige Schreckensbilanz: Drei Todesopfer. Zwei Personen werden weiterhin vermisst.

Neben einer Person, die in einem Kellergewölbe von den Fluten eingeschlossen wurde und in ihnen ertrank, bewegt das Schicksal eines 55 Jahre alten Schäfer namens Giuseppe Mannu die Öffentlichkeit. Der Viehwirt wollte in der Nähe von Bitti mit seinem SUV gerade seine Herde in Sicherheit bringen, als die Schlammwelle auf ihn zuwälzte und samt seines Geländewagens verschluckte, berichtet L’Unione Sarda.

Keine Chance soll auch die 89 Jahre alte Lia Orunesu gehabt haben. Verunsichert von den heftigen Regenfällen, wollte sie sich einen Überblick über die Lage vor ihrem Haus verschaffen. Ein tödlicher Fehler: Nach Augenzeugenberichten wurde die alte Dame sofort von den Schlammmengen mitgerissen, kurz nachdem sie ihre Haustür geöffnet hatte. Das dritte bislang gefundene Opfer, der 90 Jahre alte Giuseppe Carzedda, soll in seinem Haus ertrunken sein. Die Schlammwelle hatte die Tür seiner Wohnung aufgedrückt und dem 90-Jährigen den Fluchtweg versperrt.

Aufräumarbeiten laufen auch Hochtouren

Die Schlammlawine hatte sich den Weg vom oberen Teil des Ortes an der Piazza Asproni nach unten gesucht. “Der Ort ist in zwei Hälften geteilt worden, die Situation ist viel schlimmer als vor sieben Jahren”, zitiert L’Unione Sardiniens Umwelt-Assessor Cristian Farina. Am 18. November 2013 hatte ein noch schwereres Unwetter während des Zyklons “Cleopatra” inselweit 19 Menschenleben gefordert – eines davon in Bitti.

Neben der Suche nach den beiden noch vermissten Personen laufen auch die Aufräumarbeiten in Bitti unterdessen auf Hochtouren. Viele Einwohner, die ihre Häuser noch nicht betreten können, sind bei Verwandten oder in B&B untergekommen, berichtet L’Unione weiter.

Wie konnte ausgerechnet Bitti erneut von Schlammwelle getroffen werden?

Angespannt ist die Situation auch in anderen Regionen der Insel, etwa in Galtellì rund 30 Kilometer östlich von Nuoro. Dort haben mehr als 150 Personen, die vorsorglich aus ihren Häusern evakuiert wurden, die Nacht zum Sonntag in einer Turnhalle verbracht.

Auch im Süden hat das Unwetter Spuren hinterlassen, wenn auch weit weniger dramatisch als in der Provinz Nuoro. Am Poetto in Cagliari sind mehrere Bäume umgestürzt und einige Bars vom Meer geflutet worden. Der gesamte Strandbereich steht dort unter Wasser.

Inzwischen sind auch erste Fragen aufgetaucht, wie es sein konnte, dass ausgerechnet Bitti, weltweit bekannt für seinen renommierten Su-Tenores-Chor, schon wieder von einer Überflutung getroffen werden konnte, obwohl die Behörden seit 2013 hätten gewarnt sein müssen.

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Ertrunken in Keller und SUV: Drei Tote und zwei Vermisste
nach sintflutartigen Regenfälle auf Sardinien

Bitti, 28. November 2020. Sintflutartige Regenfälle auf Sardinien haben nach regionalen Medienberichten am Samstagmittag mindestens drei Todesopfer gefordert. Zwei weitere Personen werden noch vermisst. Der Zivilschutz hatte zuvor für Samstag wegen der zu erwartenden heftigen Regenfälle Alarmstufe Rot ausgerufen.

Am schwersten betroffen ist die Gemeinde Bitti in der Provinz Nuoro. In sozialen Netzwerken kursieren Videoaufnahmen, die offenbar um die Mittagszeit gemacht wurden und enge und steile Gassen des 2800-Einwohner-Bergdorfes zeigen, durch die sich reißende Schlammfluten ihren zerstörerischen Weg bahnen.

Opfer ertrinken in Kellergewölbe und Geländewagen

Alle drei Todesopfer sollen laut L’Unione Sarda aus diesem Ort rund 30 Kilometer nördlich von Nuoro stammen. Die Zeitung beruft sich dabei auf Angaben des Zivilschutzes. Ein Opfer soll in einem Kellergewölbe ertrunken sein, ein weiteres in einem Geländewagen, aus dem er sich nicht mehr befreien konnte. Bei dem dritten Opfer soll es sich um eine 90-Jährige handeln. Zwei weitere Personen gelten als vermisst.

Zudem sollen die Telefonleitungen nach Bitti unterbrochen sein. Dies gilt offenbar auch für das Handynetz. Denn wie L’Unione berichtet, soll die einzige Verbindung direkt aus dem Ort nach draußen über eine Funkverbindung der Carabinieri aufrecht erhalten werden.

150 Menschen in Galetlì evakuiert

In dem Ort Galtelì rund 30 Kilometer östlich von Nuoro wurden 150 Personen vorsorglich evakuiert, weil sie in überschwemmungsgefährdeten Regionen unterhalb des 2500-Einwohner-Ortes wohnen, berichtet die Zeitung La Nuova Sardegna. Dort droht der Fluss Sologo weit über die Ufer zu treten.

Mehrere Straßensperrungen wegen Unwetters auf Sardinien

Die SS 389 zwischen Nuoro und Lanusei war vorübergehend wegen Erdrutschen gesperrt. Die SS 129 wurde zwischen Nuoro und Macomer wurde in Höhe von Lloghe Richtung Lula gesperrt. Auch in der Provinz Oristano und Süd-Sardinien gibt es mehrere Behinderungen durch wegen Überflutungen gesperrte Straßen.

Das neue Unwetter ereignete sich fast genau sieben Jahre nach dem verheerenden Tiefdruckgebiet “Cleopatra”, das am 18. November 2013 insgesamt 19 Menschenleben forderte.

Einen Überblick über die aktuelle Wettersituation auf der zweitgrößten Mittelmeerinsel gibt es hier.

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Am Freitag um 19.05 Uhr schüttelt Frau Holle ihre Kissen über dem Gennargentu – wie die Webcam hier am Bruncu Spina zeigt, wo bald der erste Sessellift am einzigen Skigebiet Sardiniens in Betrieb gehen soll.

Mistral-Sturm und Schneefall am Bruncu Spina:
Erster Wintergeschmack auf Sardinien

Cagliari, 20. November 2020. In der ersten Monatshälfte und ein bisschen darüber hinaus turnten sie noch um die 20 Grad und darüber herum, die Temperaturen auf Sardinien. Doch damit ist es seit diesem Freitag erst mal vorbei. Heftige Mistralwinde mit Geschwindigkeiten bis zu 100 Stundenkilometern und starke Regenfälle sorgen für einen harschen Einbruch der Temperaturen, die vielerorts am Samstag auf der zweitgrößten Mittelmeerinsel sogar einstellig bei den Tiefstwerten werden (hier geht’s zum Überblickslink für alle meteorologischen Daten auf Sardinien).

Von den Niederschlägen sollen vor allem Gegenden im Osten der Insel zwischen der Ogliastra und dem Sarrabus betroffen sein. Im Gennargentu sollen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen.

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Höllisches Gebräu: Ein Blitz zuckt aus einer Wolke über Sardiniens Nordwestküste hervor, während Orion über den Klippen von Capo Caccia wacht. Foto: Daniele Macis

Spätsommer-Rückfall auf Eis gelegt:
Gewitter und schwere Regenfälle übernehmen Regie

Cagliari, 25. Oktober 2020. Die heißen Oktobertage mit Spitzen bis zu 28 Grad sind Vergangenheit. Spätestens am Montag ziehen über Sardinien wieder Gewitterwolken hinweg. Betroffen sollen vor allem der Norden und Westen Sardiniens sein. Auch kräftige Regenfälle sind möglich.

Der Zivilschutz hat sogar eine “gelbe Warnstufe” ausgerufen. Betroffen sind die Gebiete um die Campidano-Tiefebene, die Gallura, den Logudoro, die Tirso-Region, Montevecchio Pischinappiu und Flumendosa Flumineddu. Seit dem Jahr 2013 sind die Behörden in erhöhter Alarmbereitschaft bei schwereren Regenfällen. In der zweiten Novemberhälfte waren damals bei heftigen Unwettern 16 Menschen auf der Insel ertrunken.

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Claudia, herbstwindumweht in der Marmilla, gesehen von Fiorsa.

Temperaturen ziehen an: Hoch beschert Sardinien
Herbst-Hitze zwischen 26 und 28 Grad

Cagliari, 21. Oktober 2020. Am Bruncu Spina fielen vor wenigen Tagen schon die ersten Schneeflocken – vielleicht, um die erste Skisaison Sardiniens (nach drei Jahren Sperrung und Bauarbeiten) mit dem neuen Sessellift gebührend anzukündigen, wer weiß. Doch wenn im Oktober die Temperaturen um ein paar Grad fallen, bedeutet das für den milden Herbst nur eines – nämlich nichts. Denn Temperaturen teils weit über 20 Grad sind bis Weihnachten auf Sardinien zumindest an den Küstengegenden nichts Außergewöhnliches.

Und so verspricht das Hochdruckgebiet, das gerade im Anmarsch auf die Insel ist, in der zweiten Wochenhälfte Temperaturen von 26 bis 28 Grad Celsius, frohlockt Matteo Tidili vom MetDesk. “Das gilt für die Tiefebenen im Innern der Insel und im Westen”, sagt Tidili, von Beruf Meteorologe, privat begeisterter “Stormchaser”. Über die spektakulären Fotos von Windhosen und Gewittern hat auch Sardinien Intim schon berichtet. Da das Hochdruckgebiet aus dem Süden von Afrika herüberwehen soll, gibt’s gratis auch gleich noch Scirocco dazu. Tidili arbeitet als Meteorologe bei regionalen öffentlichen Sender RaiNews für das Format “Buongiorno Regione Sardegna”. Wetter, das “perfekt für ein spätes Bad im Meer ist”, sagt Tidili.

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Magische Wetterküche in Vignola bei Cala Sarraina – gesehen von Daniele Macis.

Gewitter, Mistral, Temperatursturz:
Herbsttief hat Sardinien fest im Griff

Sassari, 15. Oktober 2020. Klamm und frischer wird es in diesen Tagen auch auf Sardinien. Ein Tiefdruckgebiet beschert der zweitgrößten Mittelmeerinsel einen Absturz der Durchschnittstemperaturen von vier bis fünf Grad unter dem Saisondurchschnitt, sagen mehrere Wetterdienste gleichlautend voraus. Hinzu kommen vor allem an Westküste Gewitter und auch ein deutlich anziehender Mistral.

Die Maximaltemperaturen werden den Vorhersagen zufolge an der Küste sogar unter 20 Grad liegen, in den Bergregionen liegen sie sogar nur um die 10 Grad. An der Ostküste Sardinien liegen die Oberflächenwassertemperaturen (hier geht’s zur 3-Tage-Vorschau für alle vier sardischen Meere) mit knapp 22 Grad sogar über den maximalen Lufttemperaturen.

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Video: Herbststurm umschäumt “Bootsfresser” –
Sardiniens faszinierendsten Leuchtturm

Calasetta, 3. Oktober 2020. Der Sassarese Daniele Macis hat sich in den letzten Jahren zu einem der profiliertesten sardischen Naturfotografen entwickelt. Seine Spezialität sind neben den schönsten Küstengebieten in seiner Heimatprovinz auch meteorologische Phänomene wie Gewitter und Stürme. In den letzten Septembertage ist ihm auf der Halbinsel Sant’Antioco im äußersten Südwesten Sardiniens ein spektakuläres Video von einem der faszinierendsten Leuchttürme gelungen, dessen Name schon auf die Gefahr des Meeres in dieser Region hinweist: “mangiabarche” – “Bootsfresser”.

Sardiniens Meer wärmer als die Luft

Das Meer türmt sich vor der Südwestküste hier besonders hoch auf, wenn der Libeccio von nahen Afrika aus Richtung Südwest oder von Nordwest als Mistral (wie auf dem Video von Daniele) gegen das sardische Festland bläst. Der Herbst ist die beste Zeit, um Stürme genießen zu können, denn Luft und Wasser sind in der Regel noch sehr warm. Gelegentlich ist das Meer sogar deutlich wärme in dieser Jahreszeit, wenn sich mal eine Kaltfront in diese Mittelmeerregion verirrt – so geschehen vor einer Woche, als Unwetter die Luft auf teils unter 20 Grad fallen ließen, während das Meer an vielen Stellen noch um die 25 Grad maß. Auch jetzt ist es noch 23 Grad warm am Canale di Sardegna, wie das Meer im Südwesten Richtung Tunesien heißt.

Wen die Oberflächenwassertemperaturen bis zu einem Meter Tief in der 3-Tage-Vorschau interessieren, der wird auf dieser Seite von Sardinien Intim glücklich werden.


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