Milis: Ode an Bacchus

Es geht zwar am südlichen Fuß der Montiferru-Berge (zumindest offiziell) nicht so zu wie bei den Bacchanalien, die im antiken Rom auf dem Aventin gefeiert wurden. Aber die Kirmes, die seit 25 Jahren in Milis stattfindet, braucht sich nicht zu verstecken. Ein Wochenende lang von Freitag- bis Sonntagabend kommen hier Mitte November ein bis zwei Dutzend Insel-Winzer zusammen, um ihren gerade verkorkten Novello gleich wieder entkorken zu lassen.

Die kollektive Huldigung des roten Jungweins hat hier in den letzten Jahren einen nicht unbedeutenden Auftrieb erfahren, was spätestens mit Einbruch der Dunkelheit zu erheblichen Staus auf Straßen und an den Ständen führen kann, an denen neben dem Rebsaft auch allerlei Gebratenes, Süßes und mannigfaltiges Kunsthandwerk feil geboten wird. Gegen einen niedrigen Obolus erhalten Verköstigungswillige ein kleines Glas mit dem aktuellen Kirmes-Logo und einem Stofftäschchen, das samt Glas um den Hals gehängt wird. So tingelt man dann von Stand zu Stand und probiert so viel Wein, wie man ergattern und vertragen kann.

Das Warten lohnt sich immer – nicht zuletzt, weil Milis ein Kleinod im nördlichen Campidano ist. Die zum Teil liebevoll restaurierten, alten Häuser erwecken den Eindruck, dass das Dorf früher eine herausgehobene Bedeutung gehabt haben muss. Und genauso ist es gewesen: Gegründet im 13. Jahrhundert, war die Siedlung Hauptort fünf angrenzender Gemeinden zu Zeiten des Judikats von Arborea, das seine Unabhängigkeit gegen das Könighaus Aragon, das Sardinien rund 400 Jahre bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts beherrschte, länger als alle anderen drei sardischen Judikate verteidigen konnte.

Schon vorher lebten hier Mönche der Kamaldulenser, ein Orden, den zusammengeschlossene Eremiten im 11. Jahrhundert in der Toskana  bei Arezzo gegründet hatten. Sie waren auch die ersten, die die fruchtbare Erde um den Rio Mannu mit Zitrusfrüchten bepflanzten. Zitrusfrüchte aus Milis werden oft als die besten Sardiniens bezeichnet, weswegen es noch heute als paese delle arance bekannt ist, das Dorf der Orangen.

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