Die schönsten Strände Sardiniens

Wild, bunt, gediegen: Die zehn schönsten Strände Sardiniens

Farbliches Spektakel zwischen Meer und Saline: ein Stranabschnitt bei Stintino.
Foto: Daniele Macis

Eine Hitliste der schönsten Strände gehört in fast jeden Reiseführer über Sardinien, schließlich sind sie die Juwelen der Insel und an Schönheit nirgendwo im Mittelmeer zu überbieten. Im Zeitalter hochauflösender, wasserdichter Smartphone-Kameras gibt es kaum noch einen Winkel, der nicht schon fotografiert und gepostet wurde, ganz gleich, wo und zu welcher Jahreszeit. Etwas, das kein professioneller Fotograf leisten kann – es sei denn, er macht nichts anderes mehr als sardische Strände zu fotografieren. Sardinien Intim hat sich deswegen bei der Auswahl der Bilder auf jene konzentriert, die aus den endlosen Tiefen der Smartphone-Gemeinde kommen.

Die Auswahl der Strände selbst ist natürlich – wie überall – sehr subjektiv. Doch sie soll einen appetitlichen Querschnitt darstellen, der sich weder an bestimmten Meerbäder-Standards, Umweltsiegeln, Zielgruppen oder sonstigen Konditionierungen orientiert. Hier soll es ausschließlich um die reine Naturschönheit der Strände und des Meeres gehen. Viel Spaß beim Lesen, Betrachten und Testen!

Tueredda, Südwestküste

Ein Meer an Licht, Transparenz und betörenden Türkistönen: Tueredda, Königin der Strände an Sardiniens Südwestküste.
Foto: Enrico Ivan Pusceddu

Weißer Sand, grelles Türkis, gleißendes Licht, die Sonne am Mittag direkt über dem Meer: Hätte Paul Gauguin von Tueredda an der Südwestküste Sardiniens gewusst, wäre er nicht nach Tahiti in die Südsee ausgewandert. Rund einen halben Kilometer lang und an einer kleinen Bucht gelegen, vor der sich eine kleine Insel erstreckt, liegt Tueredda Kilometer entfernt selbst von kleinen Feriensiedlung rund sieben Kilometer westlich von Chia. Der Strand zeichnet sich zusätzlich aus durch einen sehr seichten Abfall des Meeresbodens, der es erlaubt, viele Meter vom Ufer entfernt durch die aquamarine Wasserwelt noch zu waten.

Natürlich ist die versteckte Schönheit von Tueredda nicht verborgen geblieben. In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Badegäste vor allem im Juli und August exzessiv zugenommen, da auch aus den Feriensiedlungen von Chia bis Porto Pino und selbst von Cagliari viele Tagesausflügler kommen. Die Kommune von Teulada hat daher im vergangenen Jahr die tägliche Besucherzahl limitiert und verlangt zudem einen symbolischen Eintritt. Seitdem hat dieser Flecken Paradies wieder viel von seinem Idyll auch während der Hauptsaison zurückgewonnen. Wer eine gute Platzauswahl haben will, ist gut beraten, früh loszufahren. Denn gerade in den frühen Morgenstunden ist der Strand am schönsten.

Is Arutas, Westküste

Weißer geht’s nicht: Is Arutas mit seinem legendären Sand, der aus Quarz in Reiskorngröße besteht. Gesehen von: Daniele Macis

Diese Strandperle liegt dort, wo in der Regel die wenigsten Urlauber hinfahren: auf der Sinis-Halbinsel an der Mitte der Westküste. Dieser Strand ist in ganz Sardinien einmalig. Und zwar wegen seines Sandes, der überwiegend aus schneeweißen, reisgroßen Quarzkörnern besteht, die das Meer hier ganz besonders intensiv türkis leuchten lassen. Oft weht hier Mistral, wer Wellen liebt, wird zusätzlich auf seine Kosten kommen. Der Strand ist bis auf die beiden Wochen vor und nach dem 15. August unter der Woche in der Regel eher mäßig bis wenig besucht, ein zusätzlicher Grund für Individualisten, hierher zu kommen. (WARNUNG: auch wenn es schwerfällt, sollte sich jedermann hüten davor, den Sand einzusacken. Darauf stehen Strafen von bis zu 3000 Euro, wovor selbst das deutsche Außenministerium warnt).

La PelosaStintino

Er zählt zwar zu den bekanntesten Stränden der gesamten Insel. Aber es wäre sträflich, ihn nicht zu erwähnen: La Pelosa bei Stintino. Foto: Daniele Macis

La Pelosa bei Stintino liegt an der Nordwestspitze Sardiniens. Man kann die ehemalige Gefängnisinsel Asinara von dort aus sehen, wo es weiße Esel gibt. Aber weiß ist auch der Strand von La Pelosa, und zwar so sehr und fein wie in einer Sanduhr, dass alles andere in den Hintergrund rückt. Bis auf das leuchtend türkisfarbene Wasser, Ergebnis des gleißendweißen Sandes, der das Licht der Sonne vom flachen Meeresgrund reflektiert und das Wasser wie Gletschereis scheinen lässt.

Die Kommune Stintino gehörte zu den ersten von Sardinien, die die Anzahl der Badegäste in der Sommersaison begrenzt und einen kleinen, symbolischen Eintritt nimmt. Zudem ist es verboten, die Handtücher ohne Bastmatten auf den Strand zu legen. Der Sand ist das Öl Stintinos, und zu viel bleibt an den nassen Handtüchern heften, dass die Kommune dem Sandschwund so ein Ende setzen wollte. Auch Sandklau wir mit drastischen Geldstrafen von bis zu 3000 Euro geahndet. Zum Nutzen der Badegäste. Denn seit die scharfen Regeln erlassen wurden, kann man La Pelosa fast wieder genießen wie in den 80er-Jahren, als noch nicht so viele Touristen dorthin kamen.

Das Bild von Daniele Macis stammt übrigens aus dem Frühjahr. Vor Juni gehört Besuchern der Strand unter der Woche fast völlig allein…

Mari PintauCagliari

Etwa 600 Meter breit, zwischen Cagliari und Villasimius gelegen, “gemaltes Meer” von den Sarden getauft: Mari Pintau.
Foto: Daniele Macis

Wer auf der Landkarte sieht, wo Mari Pintau liegt, wird sich sagen: neh, will ich nicht, so nah an einer Provinzstraße. Wer unten am Strand im Wasser ist, wird sich denken: is mir doch völlig egal, wie weit die Straße weg ist…

Mari Pintau, das “gemalte Meer”, wie die Sarden es nennen, ist ein Kleinod, das sich lohnt, entdeckt zu werden. Aus Cagliari kommend direkt vor der Halbinsel gelegen, die den Blick auf Geremeas verdeckt, der Sommerfrische der Cagliaritani etwa eine halbe Stunde Autofahrt von der Altstadt entfernt, beeindruckt dieser Strand wie kein anderer durch das extrem intensive Leuchten des türkisen Wassers, erzeugt durch einen weißen Sand, der gleichmäßig Richtung Meer abfällt und vor allem unter Wasser maritime Farbspektren erzeugt, die auch Nicht-Taucher aus sicherer Höhe erahnen lassen, was den Rausch der Tiefe des “Grand Bleu” auslöst. Ein Traum auch für Segler, die hier in vorgeschriebenem Abstand von mindestens 200 Meter in für Crew und Strandgäste in Ruhe genossen werden können. Ein Bade- und Schnorchelerlebnis, das euphorisierend wirkt!

Cala Coticcio – Caprera

Cala Coticcio liegt an der Westküste von Caprera – und wird nicht von ungefährt auch Cala Tahiti genannt. Einziger Nachteil: es ist etwas umständlich, ihn zu erreichen.
Foto: Sardegna Geographic / Aliaksei Bakaushyn

Zugegeben – der Tipp ist etwas fies, da Cala Coticcio auf Caprera liegt. Und damit auf der nordöstlichsten Insel des Maddalena-Archipels, die nicht bewohnt ist – und damit ungleich schwerer zu erreichen ist als die vielen kleinen und großen Buchten an der nahen Costa Semralda im Süden. Und zwar über das Meer (von La Maddalena, Palau und Porto Cervo kann man Boote mieten – oder auch ein Bootstaxi), oder zu Fuß vom Inselinnern. Aber dafür lohnt es sich umso mehr. Denn dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Strand selten überfüllt ist. Er liegt in einer kleinen Bucht mit einem noch kleineren Strand von 10, 15 Metern Breite, der Meeresgrund leuchtet hell türkisfarben und führt seicht wie ein gleißender Teppich hinaus aufs offene Meer.

Cala Maria Pia – Alghero

Cala Maria Pia hat alles, was ein Traumstrand braucht. Auch eine besondere Stadt, an dessen Norden der Strand angrenzt: Alghero.
Foto: Daniele Macis

So kompliziert, wie es ist, nach Cala Coticcio auf Caprera zu kommen, so einfach ist es, Cala Maria Pia zu erreichen. Der schneeweiße Strand liegt direkt im Norden von Alghero, wo noch heute ein Teil der Bevölkerung Katalanisch spricht. Der Sand ist schneeweiß und fein. Und auch, wenn er so nahe an der Stadt liegt, findet man hier meist immer irgendwo ausreichen Platz, ohne sich wie eine Sardine fühlen zu müssen. Nur in den ersten beiden Augustwochen wird es hier etwas eng, da dies die beiden wichtigsten Urlaubswochen für die Italiener vor dem staatlichen Feiertag ferragosto am 15. August sind.

Is Arenas Biancas – Porto Pino

Eine Dünenlandschaft wie in Arcachon am Atlantik, nur mit karibisch schönem Meer: Is Arenas Biancas bei Porto Pino.
Foto: Daniele Macis

Wild, noch dünner besiedelt als die meisten anderen Gegenden Sardiniens, vom Scirocco bestimmt, heiß, mit starken und charaktervollen Rotweinen wie dem Carignano: Die Sulcis-Region ist einzigartig auf Sardinien. Und das gilt auch für die Küste. Die Dünen von Chia sind berühmt – und gut besucht in der Hochsaison. Die Dünen von Piscinas im Igliesiente, auf der anderen Seite des Südwestzipfels weiter nördlich, sind legendär und gelten als die zweithöchsten nach jenen von Arcachon am Atlanitk. Aber die Dünen von Porto Pino sind divino, göttlich: weißer als alle anderen, immer im Griff einer Meerbrise, die von nur 200 Kilometer entfernten Afrika (Tunesien) im Süden herübergeweht kommt, und eingerahmt in Farben, die zwischen Aquamarin und Königsblau changieren. Untouristischer noch als die meisten anderen Gegenden Sardiniens, das ohnehin nicht – bis auf die Costa Smeralda – für Massentourismus steht und selbst dort am diagional anderen Ende der Insel milde und freundlich ausfällt im Vergleich zu allen anderen großen Inseln, die das Mittelmeer zu bieten hat.

Cala Mariolu – Ostküste

Die leuchtendste Perle am Golfo di Orosei: Cala Mariolu.
Foto: Sardegna Geographic

Cala Mariolu ist eine der vielen Perlen am Golfo di Orosei. Aber seine Lage, die Felsenklippe und und das Meer und das relativ seichte Meer lassen diesen Strand no ch mehr strahlen als alle anderen. Zu erreichen ist er nur zu Fuß über Wanderwege oder per Boot über das Meer. Schon 2018 hat die Kommune von Baunei, zu der der Traumstrand gehört, die tägliche Gästezahl beschränkt, um so den exzessiven Besucherstrom in der nicht besonders großen Bucht zu limitieren. Zusätzlich kommt ein Ticket in Höhe von einem Euro hinzu – für diejenigen, die Cala Mariolu vom Wasser aus ansteuern. Kontrolleure checken Besucher und Tickets.

Und auch für den atemberaubenden Trekkingweg Sentiero Blu, der von Pedra Longa bis nach Cala Sisine zum Teil über sehr schmale Pfade in senkrechten Felswänden führt, ist offiziell nun nur noch gegen eine Gebühr von 30 Euro machbar. Salvator Corrias, Bürgermeister von Baunei, versicherte, dass die Einnahmen für Cala Mariolu ausschließlich in den Betrieb des Landungsstegs flössen, der nun am Strand zu Beginn der Sommersaison aufgebaut und am Ende wieder abmontiert werde.

Cala Berchida – Ostküste

Dort, wo die Berge des Golfo die Orosei in nördlicher Richtung sich ins Landesinnere zurückziehen, liegt der malerisch schöne Cala Berchida. Der Strand zählt zu den wildesten der ganzen Insel. Im Gegensatz zur Costa Smeralda, die ein wenig weiter im Norden zwar dezent, aber doch ziemlich touristisch verbaut ist, ist man am Cala Berchida auch während der Hauptsaison weitgehend allein auf dem mehrere Kilometer langen Küstenabschnitt dessen Meer mit seinen Blautönen selbst verwöhnte Mittelmeerkenner verwirrt und betört.

An der Wildheit wird sich auch nichts ändern, denn das Hinterland des Strandes zählt zum Naturschutzgebiet Bidderosa und ist geschützt. Der Strand wird gesäumt von zahllosen ginepri, Wacholder-Büschen, deren hartes und resistentes Holz in alten Baurenhäusern seit Jahrhunderten Dächer trägt, auch weil sich Termiten an ihm die Zähne ausbeißen.

Es gibt kleine Strandkioske, wo man essen und trinken und Sonnenschirme, Kanus und Tretboote mieten kann.

Cala Domestica – Südwestküste

Cala Lunga, ein kleiner Seitenstrand von Cala Domestica.
Foto: Enrico Ivan Pusceddu

Die Südwestküste von Sardinien bietet zwar längst nicht so viele Strände wie die Costa Smeralda, ist jedoch reich reich an sehr unterschiedlichen Stränden, die alles bieten, was das Herz vor allem von Individualisten begehrt, die gerne etwas abseits sind. Cala Domestica ist ein Kleinod, das eine der wenigen Buchten an der Steilküste zwischen Nebida und Buggerru ist, südlich von Letzterem gelegen.

Während San Nicolò nördlich von Buggerru und der Strand von Gonnesa südlich von Masua im Süden viel Platz bieten, ist der Raum von Cala Domestica begrenzt. Der Hauptstrand ist nur etwa 100 Meter breit. Aber die Bucht ist an Schönheit kaum zu überbieten, da sie relativ eng, aber fast 300 Meter lang aufs offene Meer hinaus geht. Nach etwas weniger als 100 Metern liegt auf der rechten Seite Richtung Meer Cala Lunga (Foto), eine kleine Seitenbucht. Es können Tretboote gemietet werden, von denen es besonders für etwa unsichere Schwimmer doppelt schön ist, am nördlichen Ausgang der Bucht kleine Tauch- oder Schnorchelgänge in gebührendem Sicherheitsabstand von den steilen Felswänden zu wagen, die hier 10 bis 15 Meter unter dem Wasserspiegel abfallen und von großen Felsen gespickt sind, die erahnen lassen, wie tief das hell leuchtende Wasser in Wahrheit ist.

Die Gegend ist gespickt von alten, verlassenen Minengebäuden, die charakteristisch für den gesamten Südwesten der Insel sind. Sehr geeignet für Familien und Sportler, denen mit dem Cammino di Santa Barbara einer der schönsten Trekking-Gegenden Italiens zu Füßen liegen.