Gänsehaut-Gesänge aus der Steinzeit: Chormusik ist auf Sardinien Männersache

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Santu Lussurgiu, 17. Januar 2022. Singen ist in Sardinien Männersache. Dafür haben die einsamen Schäfer im bergigen Inselinnern gesorgt – möglicherweise sogar schon seit dem Ende der Jungsteinzeit. Canto a tenore wird dieser Satzgesang genannt, der klassischer Weise zu Viert gesungen wird. In dieser archaischen Urform wird er oft auf heute noch praktiziert. Nur einer singt dabei den Text und improvisiert, während die anderen drei ihn mit gutturalen Lauten begleiten, die nach einer Legende den Wind, das Blöken der Schafe und das Brüllen der Ochsen imitieren sollen.

In einigen Dörfer vermischte sich der Schäfergesang ab dem 17. Jahrhundert mit jenen gregorianischer Mönchen, die im letzten von vier Jahrhunderten spanischer Herrschaft seinerzeit begannen, sich auf der Insel niederzulassen. Die Unesco hat nach dem sizilianischen Marionettentheater den canto a tenore als zweites mündlich überliefertes, immaterielles Kulturgut im Jahr 2005 zum „Erbe der Menschheit“ erklärt.

Das Chorfestival „Cantos in carrela“, das in Santulussurgiu um die Karnevalszeit seit Jahren gefeiert wird, wird nach 2021 wohl auch in diesem Jahr pandemiebedingt ausgefallen. Zum Trost sei hier eine Reportage empfohlen: „Vier Freunde – auf Sardinien lebt der Männerchor“ von Deutschlandradio Kultur. Im Portrait die Sänger von Cuncordu Lussurzesu aus Santu Lussurgiu.

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