Die Kork-Krise als Chance für die Umwelt: Radio-Reportage aus Sardinien im ORF

Korkernte Sardinien

Zehn Jahre nach der Ernte hat sich die Rinde der Korkeiche wieder regeneriert und fünfmal mehr CO2 gebunden als andere Bäume.

Aluminium hat von allen Materialien für Verschlüsse von Weinflaschen die mit Abstand schlechteste Umweltbilanz. Denn die Herstellung eines Alu-Schraubverschlusses setzt 24 Mal mehr Kohlendioxid frei als der Naturkork, der der Natur nützt und hilft, während das Leichtmetall sie ausschließlich belastet. Weinverschlüsse aus Metall sind mittlerweile vor allem im deutschen Sprachraum sehr verbreitet. Österreich führt mit 80 Prozent Alu-Schraubverschlüssen die Statistik an, gefolgt von Deuschland (70 Prozent) und der Schweiz (60 Prozent).

Rohstoff Kork

Kork ist ein wertvoller und vielseitig einsetzbarer Rohstoff.

Dieser Wandel bei den Weinverschlüssen hat die südeuropäische Korkindustrie vor rund zehn Jahren in eine schwere Krise gestürzt. Doch sie hat mit überraschenden Erkenntnissen und Innovationen reagiert. Zum einen fanden Forscher heraus, dass künstliche Verschlüsse den vermeintlichen Korkgeschmack nicht eliminieren. Zum anderen sind nun erstmals Naturkorken aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern im Umlauf, denn Quercus suber, die Korkeiche, ist der weltweit einzige Baum, dessen Rinde man am lebenden Stamm ernten kann, ohne dass er anschließend stirbt.

Korkeichenwald Aggius

Korkeichenwald bei Aggius in der Gallura. Fotos: Ulf Lüdeke

Die Insel Sardinien, auf der rund 90 Prozent aller italienischen Krorkeichen stehen, spielt bei der Forschung eine Vorreiterrolle. So wurde auf dem Korkeichenhain der Forschungsanstalt AGRIS in Tempio (Gallura) schon 2006 der weltweit erste Korkeichenwald ausgewiesen, dessen Bewirtschaftung auf rein nachhaltigen Prinzipien beruht. Eine regelmäßig alle zehn Jahre abgeerntete Korkeiche wird resistenter gegen Feuer, bildet dickere Korkmasse und bindet in der Rinde fünfmal mehr CO2 als andere Bäume. Die gesamten Korkeichenwälder, die es nur im Mittelmeerraum gibt, verwandeln jährlich 14 Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid in vielseitig verwendbaren Kork, das sind zwei Drittel der CO2-Emissionen im österreichischen Straßenverkehr.

Wer mehr wissen will, kann am Dienstag, 17. Juni, um 19:05 Uhr dem ORF im Radio oder per Livestreaming folgen. In der Sendereihe “Dimensionen – die Welt der Wissenschaft” läuft zum Thema Kork, Nachhaltigkeit und Sardinien eine 25-minütige Reportage, die aus der Feder von Blog-Autor Ulf Lüdeke stammt. Wer die Sendung verpasst hat, hat hier direkten Zugriff (auf die Version von Deutschlandradio Kultur):

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