Welt-Premiere: Der erste (Fantasy-)Film über die archaische Nuraghen-Kultur

Er ballert nur so rum mit martialischen Klischees der sardischen Antike: Mauro Aragoni mit seinem Film Nuraghes. Aber Aragoni ist der erste Filmemacher, der das überhaupt tut. Dazu in monumentaler Manier, die mit der Wucht der Giganten von Mont’e Prama daherkommt, jener steinernen Riesen, deren erste Fragmente 1974 von einem Bauern namens Sisinnio Poddi auf einem Acker nahe Cabras auf der Sinis-Halbinsel gefunden wurden.

Aragonis cortometraggio (Kurzfilm) zeigt imaginäre Kampfszenen von Männern der Nuraghen-Kultur, die die Bronzezeit auf Sardinien geprägt haben. Um die Nuraghier ranken sich viele Legenden, die allerdings ihren Ursprung fast ausschließlich in alten Bronze- und Tonfiguren sowie einer überschaubaren Portion von Bildnissen in Ton und auf Stein nehmen. Denn die Nuraghier hatten im Gegensatz zu anderen prähistorischen Kulturen selbst älterer Epochen keine Schrift oder Symbolik entwickelt, die detailliertere Rückschlüsse auf ihre Geschichte zugelassen hätte.

Der Film, der vor wenigen Tagen zum ersten Mal in einigen ausgewählten Programmkinos gezeigt wurde und bald im italienischen Fernsehen übertragen werden soll, wartet außer seiner opulenten Fantasy-Optik mit einer weiteren Überraschung auf – und zwar mit Maurizio Pisciottu. Der 32-jährige Sarde aus Olbia ist den meisten Italienern besser bekannt als Rapper unter dem Salmo.

Das Einzige, was sich weitgehend an realen historischen Vorlagen orientiert, sind Kostüme und Waffen. Dafür sind sie um so wirkungsvoller und, was die Schwerter betrifft, sogar eigens für den Film geschmiedet worden. Dei Handlung ist frei erfunden – und angelehnt an Fantasy-Epen wie Tolkiens „Heer der Ringe“ oder „Game of Thrones“.

Nurgahes handelt von einem jungen Krieger namens Arduè, der nachts in Alpträumen daran erinnert wird, seine Tochter nicht vor einer vendetta bewahrt zu haben. Vendetta, auf Sardisch faida, bedeutet „Blutrache“. Als Arduè den Namen des Mörders herausfindet, macht er sich auf, um an einem den Gladiatoren-Kämpfen ähnlichen Turnier teilzunehmen, auf dem er den Mörder seiner Tochter umbringen will.

Nuraghier in historischer Rüstung vor Nuraghen -den alten Steintürmen.

Die Idee zum Kurzfilm, verriet Salmo dem sardischen Internetportal Sardinia Post, entstanden während der Dreharbeiten zu einem anderen Film. Aus mehreren spielerischen Einzelsequenzen wurde dann, angetrieben vom Enthusiasmus seines Filmteams, der Kurzfilm Nuraghesdem nun ein Spielfilm folgen soll.

Auch darin übertrifft er die Geschichte der Entdeckung und Auswertung der Giganten von Mont’e Prama bei weitem. Denn die 5000 Bruchstücke der sandsteinernen Krieger wurden nach fünfjähriger Ausgrabungszeit von erst mal knapp vier Jahrzehnte in einen staubigen Schlaf in einem staatlichen, archäologischen Archiv in Cagliari fallen gelassen, bevor mit der Restaurierung überhaupt begonnen wurden.

Endlich restauriert, wurde das Heer der sardischen Urzeit-Krieger dann auch noch auseinandergerissen. Es wird heute zu einem Teil im Archäologischen Museum von Cagliari und einem kleinen Museum in Cabras aufbewahrt. Und nicht, wie vom ehemaligen Präsidenten und Tiscali-Chef Renato Soru vorgeschlagen, im Betile, einem Museum für sardisch-mediterrane Kultur. Das einzigartig nicht nur in archäologischer Hinsicht gewesen wäre, sondern auch in architektonischer. War es doch die britisch-iranischen Star-Achritektin Zaha Hadid, die das futuristische Betile entwarf, was die unscheinbare Hafen-Skyline von Cagliari hätte aufwerten können.

Però questo è un’altra storia – aber das ist eine andere Geschichte.

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