Kurioser Kalkklotz an Sardiniens Südwestküste: Exotische Fingerübung für Sportkletterer

Foto © Ivan Pedretti

Foto © Ivan Pedretti

133 Meter hoch, 300 mal 200 Meter breit, senkrechte Kalk-Wände, komplett von Wasser umgeben – Traumparadies für Sportkletter, die süchtig sind nach sensationellen Naturkulissen und beim Klettern gern azurblaues Wasser unter den vier Buchstaben haben: Die sardische Version des Zuckerhuts, genannt Pan di Zucchero – ist ein ästhetisches Fest in jeder Hinsicht. Auch für die, die mit Extremklettern nichts am Hut haben.

Der Kalkklotz gehört zu den Wahrzeichen der Südwestküste Sardiniens und ist nur etwa 300 Meter vom Ufer entfernt nahe Porto Flavia, dem Hafen einer der größten, längst stillgelegten Erzminen der Iglesiente-Region, dem alten Bergbauzentrum Sardiniens. Der Küstenabschnitt ist rau, wild, extrem dünn besiedelt, die Felsen von Schächten durchlöchert wie Schweizer Käse. Die Landschaft bietet für Trekker, Mountainbiker, Taucher und Stand-Up-Paddler spektakuläre Kulissen.

Vor allem bei Sportkletterern ist der Kalkklotz in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Es gibt mehrere Kurz-Routen, die den 6. Schwierigkeitsgrad nicht überschreiten. Allein der Einstieg lohnt schon einen Ausflug: er muss zwingend vom Boot aus erfolgen. Vorsicht bei unsicherer Wetterlage ist geboten. Denn sonst kann man leicht riskieren, auf dem Zuckerhut eine stürmische Nacht ungeschützt im Freien zu verbringen, was vor einiger Zeit zwei Österreichern passiert war. Sie hatten die Bedenken von Fischern, das Meer könnte am Abend eventuell für die Rückkehr zum Land zu aufgewühlt sein, in den Wind geschlagen und sich trotzdem am Zuckerhut absetzen lassen. Am nächsten Morgen mussten sie per Hubschrauber vom Kalkklotz gerettet werden.

Hammerperspektive an den Klippen von Masua. Foto: Franco Blanchini

Hammerperspektive an den Klippen von Masua. Foto: Franco Blanchini

Auch bei Porto Flavio gibt es eine sensationelle Route, die ebenfalls den Schwierigkeitsgrad 6 nicht überschreitet, wegen der außerordentlichen Schönheit aber ihren Entdecker zu dem bescheidenen Namen ‚Die Metaphysik der Qualität‘ inspirierte. Der Einstieg direkt über dem Meer konnte früher über einen Minenschacht erreicht werden, der inzwischen allerdings geschlossen ist. Heute muss man sich ein Boot besorgen, um zu dem kleinen Felsvorsprung zu gelangen (Foto © Franco Blanchini, http://www.ilmountainrider.com), von wo aus man in die Route einsteigt, von der aus man einen gediegenen Blick auf den Pan di Zucchero hat.

Als Abspann in der linken Menüspalte ein heißer, knapper Vierminüter – aufgenommen aus einem Sportflieger, der den Pan di Zucchero mit einer HD-Kamera von der steilen Passstraße zwischen Buggeru und Nebida angreift und dann im Tiefflug übers Wasser Richtung Zuckerhut jettet. Ein optisches Sahnestückchen!

 

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