Novello-Fest in Milis unter gutem Stern: Superjahrgang für Cannonau erwartet

Das Novello-Fest in Milis verspricht in diesem Jahr ein ganz besonderes zu werden. Denn Italiens Önologen, die für den Kontinent wegen des verregneten Sommers eher bescheidene bis katastrophale Prognosen geben, erwarten für Sardinien einen der besten Weinjahrgänge der letzten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Und dies gilt ganz besonders für die Cannonau-Traube, mit der die besten Ergebnisse in der Regel im bergigen Nordosten der Insel erzielt werden. Das Weinfest, das am kommenden Wochenende (14. und 15. November 2014) in Milis veranstaltet wird, zählt längst zu den Top-Adressen kulinarischer Kirmesse des sardischen Herbstes, dessen charakterischste Merkmale nicht gelbe Blätter, sondern Granatäpfel, Artischocken, Meerkirschen, Khaki und eben die ersten, frisch vergorenen Weine sind, die im Geschmack so völlig anders sind alles vom italienischen Festland – was natürlich auch für die Insel selbst gilt.

Vorsicht bei der enthemmenden Wirkung zügellosen Weinkonsums war schon im Altertum angeraten. Die Bacchanalien im antiken Griechenland und Rom (hier eine Vision von Auguste Leveque, 1864-1921), bei denen zum Alkohol auch noch Unmengen halluzinogener Substanzen bestimmter Pilze oder Tollkirschen vertilgt wurden, sind ein schöner Beweis dafür.

Vorsicht bei der enthemmenden Wirkung zügellosen Weinkonsums war schon im Altertum angeraten. Die Bacchanalien im antiken Griechenland und Rom (hier eine Vision von Auguste Leveque, 1864-1921), bei denen zum Alkohol auch noch Unmengen halluzinogener Substanzen bestimmter Pilze oder Tollkirschen vertilgt wurden, sind ein schöner Beweis dafür.

Und das Fest in Milis hat es in sich. Es geht zwar am südlichen Fuß der Montiferru-Berge (zumindest offiziell) nicht so zu wie bei den Bacchanalien, die im antiken Rom auf dem Aventin gefeiert wurden. Aber die Kirmes, die hier seit fast 3o Jahren stattfindet, braucht sich nicht zu verstecken. Jahr für Jahr kommen hier Mitte November für ein Wochenende stets rund ein Dutzend Insel-Winzer zusammen, um ihren gerade verkorkten Novello gleich wieder entkorken zu lassen. Gegen ein eher symbolisches Entgelt kann man ein Glas mit dem aktuellen Weinfest-Logo und dazugehörigem Umhänge-Beutel erstehen, mit dem man dann von Stand zu Stand pendeln und die neuen Produkte an den einzelnen Ständen verköstigen kann.

Die kollektive Huldigung des roten Jungweins hat hier in den letzten Jahren einen nicht unbedeutenden Auftrieb erfahren, was spätestens mit Einbruch der Dunkelheit zu erheblichen Staus auf Straßen und an den Ständen führen kann, an denen neben dem Rebsaft auch allerlei Gebratenes, Süßes und mannigfaltiges Kunsthandwerk feil geboten wird.

Das Warten lohnt sich immer – nicht zuletzt, weil Milis ein Kleinod im nördlichen Campidano ist. Die zum Teil liebevoll restaurierten, alten Häuser erwecken den Eindruck, dass das Dorf früher eine herausgehobene Bedeutung gehabt haben muss. Und genauso ist es gewesen: Gegründet im 13. Jahrhundert, war die Siedlung Hauptort fünf angrenzender Gemeinden zu Zeiten des Judikats von Arborea, das seine Unabhängigkeit gegen das Könighaus Aragon, das Sardinien rund 400 Jahre bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts beherrschte, länger als alle anderen drei sardischen Judikate verteidigen konnte.

Schon vorher lebten hier Mönche der Kamaldulenser, ein Orden, den zusammengeschlossene Eremiten im 11. Jahrhundert in der Toskana  bei Arezzo gegründet hatten. Sie waren auch die ersten, die die fruchtbare Erde um den Rio Mannu mit Zitrusfrüchten bepflanzten. Zitrusfrüchte aus Milis werden oft als die besten Sardiniens bezeichnet, weswegen es noch heute als paese delle arance bekannt ist, das Dorf der Orangen.

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