Wie Chanel in einem Video den sardischen Hundertjährigen huldigt

Über den neumodischen Etikettierungswahn des Bio-Brimboriums können die Sarden nur müde lache – zumindest diejenigen unter ihnen, die teilweise oder noch ganz Selbstversorger sind. Und das dürften von den rund 1,7 Millionen Einwohner auch im dritten Jahrtausend noch immer ziemlich viele sein. Denn Wachstumsmittel jeder Art sind aus sardischer Selbstversorger-Sicht vor allem eines: eine nutzlose Geldausgabe.

Dies und antioxidative Eigenschaften sardischer Lebensmittel sind neben uralten Tugenden wie Fleiß bis in hochbetagte Alter die Geheimnisse, die die Sarden besonders alt werden lassen – älter als sonstwo auf der Welt.

Zwar jagt sich die zweitgrößte Mittelmeerinsel mit Hokaido auf der anderen Seite des Globus zumindest in den Medien immer wieder den Rang der “Insel der Hundertjährigen” gegenseitig ab. Doch fest steht: Sardinien Hundertjährigen-Quote ist rekordverdächtig: 22 unter hunderttausend Einwohnern schaffen hier die Doppel-Null, im globalen Durchschnitt ist es nicht mal die Hälfte.

Besonders die sardischen Männer fallen hier aus der Norm. Kommen im Schnitt unter den Hundertjährigen auf einen Mann sieben Frauen, liegt das Verhältnis auf Sardinien durchschnittlich bei einem einem männlichen auf zwei weibliche Hundertjährige. Im Landesinnern liegt das Verhältnis sogar bei 1:1.

Auf der Welle des Hundertjährigen-Mythos will nun auch einer der weltbekanntesten Kosmetik-Hersteller mitreiten: Chanel. Einfach ein paar sardische Olivenessenz extrahiert, und fertig ist die Wundercreme namens Blue Serum, die angeblich dem Altern besser widersteht. Zumindest, was angeblich die Haut betrifft.

Auch darüber können die Sarden nur lachen, vor allem die Männer. Denn vor allem die Männer schwören hier ihr ganze Leben lang auf eine tägliche Ration Rotwein, der hier – Önologen und Gerontologen wissen das zu bestätigten – besonders reich an Oxidationshemmern ist. Nicht aufgetragen, sondern getrunken.

Nicht von ungefähr lautet der Trinkspruch hier nicht “salute”, sondern “a kent’annos” – “auf hundert Jahre”.

Wen interessiert, wie sich die alten Recken anhören und was Altersforscher davon halten, dem sei der untenstehende Audio-File empfohlen, die Sardinien-Intim-Blogger Ulf Lüdeke vor Ort für Deutschlandradio Kultur gemacht hat.

Infos zu Oxidationshemmern und sonstigen leckeren Unsäglichkeiten gibt im Wein-ABC von Sardinien Initim.

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