“Gebt all meine Sachen den Armen”: Von Mesina fehlt weiter jede Spur – ist Ex-Banditen-Held mit Schlauchboot nach Korsika geflohen?

Begnadet, begnadigt, begrenzt: Graziano Mesina, einst ein Mythos, verkam im Laufe der Jahre zu ganz normalen Schwerverbrecher und verspielte nun sogar seine Begnadigung durch den italienischen Staatspräsidenten.

Orgosolo, 8. Juli 2020. Von einstigen Banditen-Helden Graziano Mesina, der sich im betagten Alter von 78 Jahren und beträchtlicher leiblicher Überfülle einer erneuten Festnahme durch die Carabinieri entzogen hat, fehlt weiterhin jede Spur. Nach dem Orogolesen wird nicht nur in seinem Heimatort, sondern auch in den Bergregionen des Supramonte, der Gallura, an der nördlichen Küste um Budoni bei Famillienangehörigen und auch in der Hauptstadt Cagliari gesucht – auch mit Helikoptern.

“Gebt meine Kleider und alle Sachen den Armen”, soll er laut Medienberichten Familienangehörigen kurz vor der Flucht gesagt haben. Seine zahlreichen Straftaten macht er damit allerdings nicht vergessen. Zuletzt war er 2018 wegen bandenmäßigen Drogenhandels und geplanter Entführung zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Durch einen juristischen Formfehler in der Haftsache war er vorübergehend 2019 wieder auf freien Fuß gekommen.

Mesina, der sich vor nunmehr einer Woche nicht wie vom Gericht 2019 auferlegt um 18 Uhr in der Carabinieri-Kaserne zur Anwesenheitsbestätigung gemeldet und erst ab Mitternacht von den Carabinieri gesucht wurden, soll “ohne Papiere und Kleider” auf der Flucht sein, berichten sardische Medien übereinstimmend. “L’Unione Sarda”, die größte Zeitung der Insel, hat sogar einen Reporter nach Korsika geschickt, wohin sich Mesina nach Recherchen des konservativen Blattes mit einem Schlauchboot geflüchtet haben könne.

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“Hätte nicht passieren dürfen”: Carabinieri-General kritisiert Truppe wegen Flucht von altem Ex-Banditen Graziano Mesina – Sucher bislang erfolglos

Orgosolo, 6. Juli 2020. Ex-Banditen-Legende Graziano Mesina, 78, hält Sardinien in Atem. Dank einer besonders schläfrigen Carabinieri-Einheit konnte es dem betagten, übergewichtigen Schwerkriminellen gelingen, sich am Donnerstag seiner erneuten Festnahme zu entziehen. Die war nötig geworden, nachdem der italienische Kassationshof eine Revision des berüchtigten Orgolesen endgültig verworfen hatte. Damit wurde am Donnerstagabend ein Urteil aus dem Jahre 2018 gültig, bei dem Mesina unter anderem wegen bandenmäßigen Drogenhandels und einer geplanten Entführung zu 30 Jahren Haft verurteilt worden war.

Der kleine Ort Orgosolo, seit Jahrhunderten Schauplatz zahlreicher familiärer Blutrache-Fehden, Entführungen und eines bis in der 90er-Jahre noch ausgeprägten Banditentums, wird seit Freitag systematisch nach Mesina von Einheiten der Carabinieri und Polizei durchkämmt nach dem flüchtigen Kriminellen – bislang jedoch ohne Erfolg. Haus für Haus, Schafstall für Schafstall, Weidegrundstück für Weidegrundstück durchkämmen Sicherheitskräfte seit fünf Tagen das Gebiet in und um Orgosolo – bislang jedoch ohne Erfolg, wie sardische Medien berichten.

Carabinieri-General kritisiert eigene Sicherheitskräfte

Eine erste Kritik gegen die Ordnungskräfte äußerte nun der bekannte sardische Carabinieri-General Salvatore Favorolo, Kommandant der Carabinieri in der Region Marken. “Das hätte nicht passieren dürfen, weil der Staat alle Vorkehrungen hätten treffen müssen, um zu verhindern, dass er fliegt”, sagte Favarolo der Zeitung “La Nuova Sardegna”. Der hochdekorierte Carabiniere rät auch davon ab, mit Mesina über eine Hafterleichterung zu verhandeln, wie mehrere Medien und Nachrichtenagenturen spekulierten. “Ich glaube nicht, dass er weit gekommen ist. In jedem Fall darf der Staat nicht verhandeln, der Staat darf nicht verhandeln. Entweder er stellt sich oder wir werden ihn suchen. Punkt.”

Händler aus Orgosolo: “Er war besorgt”

Dass Mesina genau wusste, dass der Kassationshof am Donnerstag über seine Revision entscheiden würde, bestätigte ein Händler aus Orgosolo gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa, der Mesina zwei Tage zuvor “besorgt” erlebt habe. Er habe ihm gesagt: “‘Ich habe noch zwei Tage in Freiheit, dann weiß ich nicht, was passiert'”, so der Händler.

Mesina hatte von 2013 bis 2018 bereits wegen der Drogengeschäfte im Gefängnis verbracht. Nun muss er auch die anderen 25 Jahre absitzen. Theoretisch wäre er dann 103 bei seiner Entlassung, was in Sardinien zwar ein hohe, aber nicht ungewöhnliches Alter ist, da er hier mehr Hundertjährige als an den meisten anderen Orten der Welt gibt. Doch die Bereitschaft, auszutesten, ob er die Entlassung tatsächlich noch erleben könnte, scheint gerade ziemlich gering zu sein.

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Polizeisperren auf ganzer Insel, Spekulationen über Flucht ins Ausland: Spekuliert Ex-Bandit Mesina auf dreiste Verhandlung, wenn er sich stellt?

Nuoro, 5. Juli 2020. Zwei Tage, nachdem Sardiniens berüchtigtster Ex-Bandit Graziano Mesina sich seiner Festnahme entzogen hat, deuten immer mehr Indizien darauf hin, dass der Kriminelle schon länger geplant hatte, sich ins Ausland abzusetzen. Wie regionale Medien berichten, halten die Ermittler es für möglich, dass sich der 78-Jährige entweder in das nahe Korsika oder nach Tunesien abgesetzt haben könnte. Mesina hatte sich am Donnerstagabend das erste Mal seit einem Jahr nicht wie vom Gericht angeordnet um 18 Uhr in der Kaserne der Carabinieri von Orgosolo gemeldet. Kurz zuvor hatte das italienische Kassationsgericht einen Revisionsantrag von Mesinas Anwälten endgültig abgelehnt. Die Revision betraf das Urteil zu einer Haftstrafe von 30 Jahren, zu der Mesina 2018 unter anderem wegen bandenmäßiger Drogengeschäfte und geplanter Entführung verurteilt worden war.

Die Umstände von Mesinas Verschwinden werden immer mysteriöser und absurder. Zum einen, weil bisher völlig unklar ist, warum die Carabinieri trotz der Tatsache, dass sich der Schwerkriminelle am Donnerstag um 18 Uhr nicht in der Kaserne blicken ließ, erst in der Nacht zu seinem Haus fuhren, um ihn zurück ins Gefängnis zu bringen. Zum anderen, weil mehrere sardische Medien berichte, dass Mesina offenbar damit spekuliert, eine geringere Strafe aushandeln zu können für den Fall, dass er sich stellt. Nach einem Bericht von “L’Unione Sarda” wolle er erreichen, dass er möglicherweise die Strafe per Hausarrest absitzen könne, statt ins Gefängnis zurückkehren zu müssen.

Polizei und Carabinieri haben in der gesamten Provinz Nuoro Straßensperren mit Kontrollposten errichtet, die an jene in den Sechziger, Siebziger und Achtziger Jahren erinnern, als Mesina wegen verschiedener Delikte oder einer seiner spektakulären Gefängnisausbrüche gesucht wurde.

Die Sicherheitsbehörden halten es für möglich, dass “Grazineddu” sich nach Korsika oder sogar nach Tunesien abgesetzt haben könnte. Tunesien scheint den Behörden naheliegend, weil es kein Auslieferungsabkommen zwischen dem Land und Italien gebe. Es werde aber auch nicht ausgeschlossen, dass Mesina sich noch immer in Orgosolo selbst aufhält, gedeckt von Helfern.

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Sardiniens Polizei fahndet nach Ex-König der Banditen und Knast-Ausbrecher: Graziano Mesina (78) entzieht sich Festnahme

Orgosolo, 4. Juli 2020. Noch ein letztes Mal hält er die Insel und ganz Italien in Atem: Graziano Mesina, 78, einst berühmtester Bandit der Insel, hat sich in der Nacht zum Freitag seiner Festnahme entzogen. Unmittelbar zuvor hatte das italienische Kassationsgericht (vergleichbar mit dem deutschen Bundesgerichtshof) Mesinas Verurteilung zu 30 Jahren Gefängnis wegen bandenmäßigen Drogenhandels letztinstanzlich bestätigt. Als eine Carabinieri-Einheit in der Nacht an seinem Haus in Orgosolo vorfuhr, um ihn ins Gefängnis zu bringen, war von Mesina keine Spur. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Ansa.

Sardiniens berühmtester Bandit verwirkt Begnadigung

Das späte Auftauchen der Carabiniere gibt Rätsel auf. Denn Mesina, seit einem Jahr wegen eines juristischen Formfehlers auf freiem Fuß, hatte sich am Donnerstagnachmittag zum ersten Mal seit einem Jahr nicht wie vom Gericht auferlegt täglich um 18 Uhr in der Carabinieri-Kaserne gemeldet, um seine Anwesenheit mit einer Unterschrift zu bestätigen. Mit dem endgültigen Urteil hat Mesina nun auch seine Begnadigung verwirkt, die ihm 2004 der damalige Staatspräsident Carlo Arzeglio Ciampi gewährt hatte.

Lange Vorgeschichte um Mythos des sardischen Banditentums

Um den Mythos von Mesina, der im Laufe der Jahre von einer Ikone zum Schwerverbrecher verkam, zu verstehen, muss man wissen, dass das Banditentum in Sardinien vor allem im vergangenen Jahrhundert nicht selten eine politische Dimension bis in die 90er-Jahre hinein hatte. Dabei ging es um einen Widerstand gegen den auf der Insel lange verhassten italienischen und noch heute sehr kritisch betrachteten Staat, der die Eigenheiten der Sarden nie richtig verstand. Als das Banditentum samt Entführungen und auch die lange Tradition der Blutrache, die die Sarden faida nennen, in der Mitte des vorigen Jahrhundert zahlreiche Exzesse erlebten, schickte die Regierung in Rom immer mehr Carabinieri auf die Insel. Doch die Sarden empfanden dies als eine zusätzliche Demütigung. Sie fuhren fort, Familienstreitigkeiten und Ehrverletzungen auf ihre Art in blutiger Eigenjustiz zu regeln. In dieser Atmosphäre genossen Banditen wie “Grazianeddu”, wie Mesina damals auch genannt wurde, Heldenstatus. Und er wurde umso größer, je länger sie in den unwegsamen, wilden Bergen auf der Flucht ihrer Häscher an der Nase herumführten. Und in der unwegsamen Gebirgsregion der Barbagia mit Orgosolo als Zentrum des Banditentums war dieser Widerstand besonders groß – und ist es zum Teil heute noch.

Mesina in den 60er-Jahren auf der Flucht vor der Justiz.

Mesina wurde nicht zuletzt auch durch seine zahlreichen Ausbrüche aus schwer bewachten Staatsgefängnissen zu ein Ikone. Selbst auf dem Festland gab es viele Bewunderer, unter ihnen Giangiacomo Feltrinelli. Der Mailänder Verleger verfolgte Ende der 60er-Jahre Pläne, Sardinien in eine Art mediterranes Cuba umzuwandeln. Als Anführer einer neuen Autonomiebewegung hatte er vor, Mesina einzusetzen. Mesina ließ sich dafür jedoch nicht instrumentalisieren.

Mehr als die Hälfte seines Lebens im Gefängnis gesessen

Dutzende Carabiniere und Polizisten sind seit Mesinas spurlosem Verschwinden in Orgosolo und der gesamten Barbagia im Einsatz, um den Flüchtigen zu suchen. Insgesamt verbrachte der 78-Jährige schon 40 Jahre im Gefängnis. Zu der 30-jährigen Haftstrafe war er erst 2018 verurteilt worden, und zwar nicht nur wegen badenmäßigen Drogenhandels, sondern auch wegen Erpressung und einer geplanten Entführung. Mesina müsste den Rest der Strafe nun absitzen, was bedeuten würde, dass er bis zu seinem Tod im Gefängnis bleiben müsste. Doch dazu müssen ihn die Dutzenden Carabinieri und Polizisten, die seit der Nacht zum Freitag nach ihm suchen, erst einmal finden.

Fahndungsplakat in den 60er-Jahren.

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1 Antwort

  1. Joan Porras sagt:

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