Februar-Sonnenaufgang über Budelli: Hier lebt seit 28 Jahren Mauro Morandi, einsamer Herr der Insel

Morgendämmerung am 12. Februar 2017 über der Spiaggia Rosa auf Budelli Foto © Mauro Morandi

Es gibt einen Mann, dem eine sardische Insel ganz allein gehört, obgleich er nicht deren Besitzer ist: Mauro Morandi, Wächter von Budelli. Vor knapp 28 Jahren kam Morandi, ein Ex-Lehrer aus Modena, zufällig an der Perle des Maddalena-Archipels vorbei. Er wollte der zivilisierten Welt den Rücken kehren, hatte Hab und Gut gegen ein kleines Segelboot eingetauscht und wollte damit nach Polynesien auswandern. Doch es kam anders. Morandi, der heute an der berühmten Spiaggia Rosa seinen 78 Geburtstag feiert, blieb auf Budelli und wurde dessen Wächter.

Zehn Jahre lang erlebte Morandi sommers bis zu 3000 Besucher auf der sonst gänzlich unbewohnten Insel täglich, die ihre Berühmtheit einem kleinen, rosafarbenen Krustentier namens Miniacina miniacea verdankt. Es klebt an vielen Stellen im Mittelmeer an Seegras. Doch an keinem anderen Ort werden die Krusten der abgestorbenen Tiere so zahlreich an einen Strand gespült, der zudem auch noch überwiegend aus dem unter sengender Sonne schneeweiß gebleichten Kalziumkarbonat von Muschelgranulat leuchtet.

„Die Touristen stopften sich ihre Badehosen, Flaschen und Plastiktüten damit voll. Und irgendwann war der rosa Schimmer weg“, erinnert sich Morandi. 1999 beschloss die Naturparkverwaltung des Maddalena-Archipels, die Privatinsel zum Naturschutzgebiet zu erklären. Nur einer blieb: Morandi.

Der Herr der Insel, Mauro Morandi, unter dem Winterhimmel an der Spiaggia Rosa. Foto © Ulf Lüdeke

Seitdem lebt er dort weitgehend allein – und zwar nach dem Vorbild von Martin „Manuel“ Venator, Ich-Erzähler von Ernst Jüngers vorletztem Roman. „Ernst Jünger ist für mich der Größte“, verriet Morandi dem Herausgeber von Sardinien Intim, Ulf Lüdeke, für eine „Playboy“-Reportage. „In seinem utopischen Roman ‚Eumeswil‘ geht es um einen Mann, der ein Anarch ist – die positive Version des Anarchisten. Einer, der gegen die herrschende Macht ist, sie aber nicht bekämpft, weil er weiß, dass sie am Ende doch nur durch eine andere ersetzt würde, und alles darauf ausrichtet, seine Unabhängigkeit zu erhalten. Genau das ist es, was ich hier versuche.“

Immer wieder wird Morandi als „Robinson“ bezeichnet. Doch das Bild sei schief, sagt Morandi (hier geht’s zum Facebook-Account von Mauro). „Robinson wollte von Anfang an weg von seiner Insel. Ich hingegen nie.“

Link zur Reportage: „Herr der Insel“ (Ulf Lüdeke) für Deutschlandradio Kultur.

Hier geht’s zu einem Hintergrundstück über den Eigentumsstreit von Budelli.

 

Das könnte Dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.