Seltenes Spektakel knapp über dem Meer: Mondfinsternis an Sardiniens Ost- und Südküste

Die Milchstraße über dem Nuraghen Monte Cresia, wie wir sie mit bloßem Auge niemals sehen, wohl aber mit der Kamera von Ivan Pedretti. Foto: Ivan Pedretti

Sardinien hat nicht nur einen galaktischen Nachthimmel, sondern auch galaktische Astrofotografen. Autodidakten wie Ivan Pedretti huldigen den Astronomen unseres Planeten, ohne die es Digitalkameras heute vermutlich noch immer nicht gäbe (denn SIE waren es, die digitale Bildsensoren entwickelt haben, lange bevor sie Platz in handelsüblichen Kameras gefunden haben).

Und all das läuft längst ohne Teleskop ab – nur mit ganz “normalen” Spiegelreflexkameras. Sensibilität und Qualität der Sensoren ist inzwischen so hoch, dass Fotografen heute mit ein bisschen Übung (auch im Punkto digitaler Bildnachbearbeitung) so atemberaubende Ergebisse erzielen, dass selbst Astronomen auf fast allen Observatorien neben den Kameras für ihre Superteleskope ganz einfache Spiegelreflexkameras einsetzen, um Dinge damit am Firmament zu tracken, deren Exisztenz noch vor etwas mehr als 25 Jahren selbst von den meisten Wissenschaftlern ins Reich der Science-Fiction-Literatur verbannt worden war: Exoplaneten. Sie sind so empfindlich, dass sie astronomisch winzige Helligkeitsabfälle registrieren, wenn ein kleiner Planet wie unsere Erde vor einem Stern wie der Sonne nicht in 150 Millionen Kilometern Entfernung, sondern selbst Dutzende Lichtjahre entfernt für ein paar Minuten oder Stunden vor ihrem Mutterstern langziehen.

Ohne jede Ausrüstung ist am Freitag, den 27. Juli 2018, auch in Sardinien ein Spektakel zu sehen, das von seinen Dimensionen her so erst wieder in 125 Jahren zu sehen sein wird: eine totale Mondfinsternis, die an Größe und Exotik kaum zu überbieten ist. Der Höhepunkt wird um 22.22 Uhr sein. Die exakten Auf- und Untergangszeiten mit Positionsangaben gibt es bei Sardinien Initim unter dem Menü “Wasser/Lufthier.

Schon ohne galaktischen Firlefanz verhilft unser blasser, karger Nachbar in voller, halber oder geviertelter Pracht und selbst noch als hauchdünne Sichel vielen Poeten zu unglaublichen Kreativ- und zahllosen Liebenden zu ungeahnten Hormonschüben.

Doch bei dieser Mondfinsternis wird ein Superlativ den anderen jagen. Denn der Mond wird uns näher als sonst sein und damit viel größer scheinen. Er wird satte 103 Minuten über Sardinien scheinen (in Deutschland sogar eine mehr – dafür gibts da aber weder türkisfarbenes Mittelmeer, Culurgionis oder Casu marzu, den geliebten Fliegenmadenkäse, schmackofatz….). Und damit viel länger als sonst (und das nächste Mal getoppt erst, s.o., am 9. Juni 2123). Das Ungewöhnlichste aber ist: er wird in eine blutorange Farbe getaucht werden.

Der Erklärung spendieren wir großzügig, wie wir nun mal sind, anderthalb fette, eigene Absätze, auch wenn sie nichts direkt mit Sardinien zu tun hat. Aber die astronomische Refraktion gilt eben auch in Sardinien.

Die erste Voraussetzung für den Blutmond ist zunächst natürlich die Farbe selbst. Jedes Kind weiß: die Sonne wird roter, je mehr sie ihrem Untergang entgegengeht. Die Erklärung hat nichts mit Scham zu tun, sondern mit der verstärkten Absorption bestimmter Farbteile des Sonnenlichts. Verantwortlich dafür sind verschiedene Moleküle.  Und Stickstoff-, Sauerstoff- und Argonmoleküle, die unsere Atmosphäre bilden, schlucken nun einmal fast alle Wellenlängen des für uns sichtbaren Lichts –  außer rot und gelb. Das ist der Grund, weswegen sie kurz vor dem Sonnenuntergang ihrer blutorangerosaroteste Farbe annimmt. Denn wenn sie kurz über dem Horizont steht, legen ihre Strahlen auf dem Weg zu unserer Netzhaut den längsten Weg durch Atmosphäre zurück. So gut wie alle anderen sichtbaren Farben bleiben in der Atomsphäre stecken. Bei der Mittagssonne wird der Effekt nicht sichtbar, weil das Sonnenlicht nur eine relativ dünne Schicht der Atomsphäre passiert.

Die zweite Voraussetzung – und jetzt wird es wirklich spannend – ist ebene jener coole Effekt namens Refraktion, der die Erklärung dafür ist, wie der Mond diese orangerote Licht überhaupt abbekommen kann. Denn obgleich er ja komplett im Erdschatten verschwindet, was ihn finster werden lässt, werden die roten Strahlen der Sonne durch die Atmosphäre ähnlich wie bei einer optischen Linse gebündelt – und tunken den Mond bei einem ganz bestimmten Abstand der jetzt genau der richtige ist, in dieses magische Licht.

Bleibt nur zu hoffen, dass ihr diesen Beitrag nicht unmittelbar vor der Mondfinsternis lest. Sonst habt ihr sie jetzt nämlich verpasst! 😉

Und noch ein heißer Tipp: Der Mond wird bei dieser Finsternis mit einer Höhe von rund 15 Grad sehr tief im Südosten am Horizont stehen. Besonders gut wird er in Sardinien daher an der Ost- und Südküste zu sehen sein – und zwar direkt über dem Meer. Warum also nicht gleich reinspringen…? So jung kommt man bei einer solch romantischen Mondfinsternis nie mehr zusammen…

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