Erstes Bild von einem Schwarzen Loch: Chef der “Black Hole Cam” ist ein Astrophysiker aus Nuoro

Ciriaco Goddi vor einigen ALMA-Teleskopen in der Atacama-Wüste. Foto: Facebook / Ciriaco Goddi

Der 10. April war für alle Astronomen unseres Planeten und auch viele Nicht-Forscher ein aufregender Tag. Um 15 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit flimmerte über hunderte Millionen Computer und Fernseher rund um den Globus das erste Foto eines Schwarzen Lochs. So werden finstere Überbleibsel kollabierter Sterne gennant, die nach einer enormen Ausdehnungsphase und dem Erlöschen der atomaren Kernfusion in sich zusammenstürzen und sich dabei zum dichtesten Element des Universums komprimieren. So dicht, das nicht einmal mehr Licht von diesen unvorstellbar heißen Sternenleichen entkommt. Albert Einstein hatte die Existenz Schwarzer Löcher in seiner Relativitätstheorie, die in der Kosmologie Maßstäbe setzte, schon vor einen Jahrhundert theoretisch beschrieben. Deswegen gilt das erste Foto, dass nun endgültig ihre Existenz beweist, schon jetzt als eine der größten Entdeckungen der Wissenschaft aller Zeiten.

An dem Projekt haben rund 200 Wissenschaftler mehrere Jahre gearbeitet. Und bei dem Foto handelt es sich im Grunde nicht um ein Foto, sondern um viele, die von mehreren Radioteleskopen weltweit zu selben Zeit gemacht wurden. Die Forscher generierten ungeheure Datenmengen durch die zeitgleichen Beobachtungen, werteten sie aus und setzten gigantische Datenmengen schließlich zu diesem einen Bild zusammen.

Was für das Gesamtprojekt nur ein Mosaikstein von vielen wichtigen Beiträgen ist, ist für Sardinien allerdings von ganz besonderer Bedeutung. Denn der Mann, der das Team der “Black Hole Cam” leitet, hat heißt Ciriaco Goddi, wie die Nachrichtenagentur ANSA berichtet. Goddi wurde vor 44 Jahren in Nuoro geboren, machte in Bitti Abitur und an der Universität Cagliari sein Examen in Astrophysik.

Der 44-Jährige ist bei der Universität Leiden (Holland) als Forscher angestellt. Neben der Verantwortung für das Projekt “Black Hole Cam” hat er auch selbst am ALMA-Observatorium der Europäischen Südsternwarte ESO in in der chilenischen Atacama-Wüste auf 5100 Metern selbst Aufnahmen des Schwarzen Lochs gemacht, dass sich in 55 Millionen Lichtjahren Entfernung in der Galaxie M87 befindet. Wie dicht die Materie in einem Schwarzen Loch ist, das im Zentrum einer Galaxie immer mehr Materie verschlingt und immer weiter wächst, verdeutlicht folgender Vergleich: die 12.000 Kilometer breite Erde müsste in ein Kügelchen von der Breite eines 2-Cent-Stücks komprimiert werden.

“Das Bild hat nichts mit jenen zu tun, die wir im Film ‘Interstellar’ gesehen haben”, sagte Goddi. Das, was man sehe auf dem Foto, sei heißes Plasma – Materie, die um das Schwarze Loch in annährender Lichtgeschwindigkeit rotiert, bevor sie für ewig vom Schwarzen Loch aufgesogen wird. “Der interessante Teil ist die matte, schwarze Scheine im Zentrum”, in der sich das Schwarze Loch verberge. “Jetzt werden wir auch das Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße beobachten, Sagittarius A. Und ich bin sicher, dass wir es sehen werden.”

Beteiligt an dem Projekt waren insgesamt acht um den Globus verteilte Radioteleskopanlagen, die zusammengefasst das “Ereignishorizontteleskop” genannt werden (EHT, Event Horizon Telescope). Ausführliche Informationen zu der Entdeckung mit vielen allgemeinverständlichen Erklärungen gibt es in mehreren Sprachen auf der Homepage der ESO, deren Zentrale in Garching bei München liegt.

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