Hinreißend über Jahrhunderte: Von der gediegenen Schönheit sardischer Mode


Alle Fotos: Lucio Aru, Franco Erre

Brokat, Gold, Drillich, Granat: Schon die Namen der Materialien traditioneller sardischer Kleider und Schmucks lassen erahnen, dass diese Welt etwas ganz Besonderes ist. Wer sich in den ästhetischen Taumel stürzen will, der mitreißend selbst für jene ist, denen Traditionen fremd oder einfach ein bisschen zu viel sind, der sollte jetzt, Ende April, nach Cagliari reisen, um sich in Ruhe das Fest von Sant’Efisio am 1. Mai anzuschauen. Das Patronatsfest der Inselhauptstadt ist ein unglaublicher Catwalk, ein Extrakt von Eleganz, Stolz und Schönheit, von dem es selbst auf dem Alten Kontinent kaum Vergleichbares gibt.

Die sardische Tracht erlebt seit einigen Jahren eine Renaissance, die sich nicht nur in den Vitrinen insulaner Modegeschäfte und auf der Haut sardischer Jugend widerspiegelt, sondern auch in der Kunst. Ein besonders schönes Beispiel ist das Projekt Beltimentas, das nach zwei Ausstellungen in Paris und Moskau nun sogar in Quatar zu sehen ist. Das haben ein paar sardische Stilisten, Schneider, Schauspieler, Regisseure und zwei Fotografen ausgeheckt, die nicht mehr in Sardinien leben, sondern in Berlin: Lucio Aru und Franco Erre.

Hinter Beltimentas verbirgt sich keine ökonomisch motivierte Werbekampagne für bestimmte sardische Produkte, sondern eine rare Initiative, die in Form einer Fotoausstellung, eines Films und einer Theaterdarstellung sardisches Kulturerbe bekanntmachen und mit der Moderne verbinden will. Deswegen wurde das Projekt, das auf dem sardischen Namen für hochwertige traditionelle Kleidung (bestimentas) und der zu bel (schön) abgeänderten ersten Silbe besteht, auch von der Region Sardinien gefördert.

Das Theaterstück haben die Macher als eine “romantische Reise” konzipiert, in der die weiblichen Kostüme Bräuche, soziale Rollen und alltägliches Leben der sardischen Frau in der Familie miteinander verweben.

Die beste Gelegenheit, sich der Magie sardischer Tradition zu ergeben, ist und bleibt die Sagra di Sant’Efisio am 1. Mai in Cagliari. Aber Cagliari ist nicht die einzige Gemeinde Sardiniens, die textile Tradition lebt. Das gilt für fast jede der 377 Gemeinden.

Und wer wissen will, wann und wo Beltimentas in Sardinien oder anderswo auftritt, möge einen Blick auf die Homepage des Projekts (auch auf Englisch verfügbar) oder die Facebook-Seite werfen. Hier geht’s zur Homepage der beiden Fotografen Aru und Erre.

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