Ärger um Nato-Manöver an Sardiniens Touristenstränden – 16 nicht explodierte Minen aus 2. Weltkrieg entdeckt

Eine Landungsszene vor der sardischen Küste während der Nato-Übung „Mare Aperto“. Foto Marina Militare

Cagliari, 29. Mai 2022. Die Nato-Übung „Mare Aperto“ (Offenes Meer) vor und an der sardischen Küste der Südhälfte der Insel hat für zum Teil große Irritationen gesorgt. Zwar stand die Großübung, die vom 3. bis zum 27. Mai lief und an der 4000 Marinesoldaten aus sieben verschiedenen Nato-Nationen teilnahmen, ganz unter dem Eindruck des russischen, völkerrechtswidrigen Angriffskrieges auf die Ukraine. Doch eine nicht unbedeutende Zahl maritimer Flächen teils weit außerhalb der großflächigen Truppenübungsplätze, die die Marine-Stäbe ursprünglich einbinden wollten, wurden von betroffenen Kommunen in buchstäblich letzter Sekunde verhindert.

Hafen von Cagliari erwirkte Nato-Übungsverbot für 17 maritime Zonen

Als bekannt wurde, dass abgesehen von den Truppenübungsplätzen vom Osten über den Süden bis in den Westen der Insel auch diverse öffentliche Meergebiete mit eingeplant waren, reagierte die Hafenverwaltung der Hauptstadt Cagliari nach Informationen von „L’Unione Sarda“ sofort mit einem Eilantrag, 17 maritime Flächen komplett von militärischen Übungen auszuschließen,. Dazu soll auch eine „Invasion“ des Poetto gezählt haben, dem Stadtstrand von Cagliari, an dem die Badesaison bereits begonnen hat. An der Übung waren 65 Kriegsschiffe, drei U-Boote, Amphibien-Fahrzeuge sowie Kampfflugzeuge und Hubschrauber beteiligt.

17 scharfe Minen aus 2 Weltkrieg vor der Küste Sardiniens entdeckt

Positiver Nebeneffekt der Übung „Mare aperto“ („Offenes Meer“): Minensuch-Einheiten der italienischen Marine haben entlang der großflächigen Truppenübungsplätze der dünn besiedelten Insel insgesamt 16 nicht detonierte Bomben auf dem Meeresgrund gefunden – rund 80 Jahre, nachdem sie dort ausgelegt wurden. Nach einem Bericht der Regionalzeitung „L’Unione Sarda“ sollen alle Sprengkörper für eine baldige Entschärfung und Bergung genau lokalisiert worden sein.

Dieses Bild der italienischen Marine soll eine nicht explodierte, nach wie vor scharfe Mine auf dem Meeresgrund des Golfo degli Angeli in der Bucht vor der Hauptstadt Cagliari zeigen. Foto: Marina Militare

Ärger und Proteste: 60 Prozent aller militärischen Übungsplätze Italiens auf Sardinien

Das Nebeneinander von Militär und Tourismus sorgt auf Sardinien immer wieder für Unmut und Proteste. Das liegt auch daran, dass Sardinien die Region mit dem mit Abstand größten Flächenanteil an militärischen Truppenübungsplätzen ist. 60 Prozent aller Übungsflächen der Apennin-Halbinsel liegen hier. Und 80 Prozent aller Übungen auf nationalem Gebiet inklusive des Meeres werden laut L’Espresso auf diesem Territorium abgehalten. Nicht zuletzt auch, weil fast überall die Nato beteiligt ist – und weil die Insel zu den am dünnsten besiedelten Regionen Europas zählt.

Stefania Pucciarelli (Lega), Staatssekretärin im italienischen Verteidigungsministerium, an Bord des italienischen Flugzeugträger „Cavour“ vor der Küste Sardiniens.

Auffallend viel Krebserkrankungen in Nähe von Sardiniens militärischen Übugsplätzen

Die Geschichte der Truppenübungsplätze auf Sardinien ist eine schwere Hypothek für das Mittelmeerparadies. Und zwar nicht nur wegen der überproportionalen Belastung des Territoriums im Vergleich zu den anderen 19 Regionen Italiens, sondern auch und vor allem wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit der Bevölkerung, die in der Nähe der Übungsplätze lebt.

Waffentests auf dem Truppenübungsplatz des Poligono del Salto di Quirra bei Muravera im nördlichen Bereich an der Südostküste werden seit etlichen Jahren überschattet von einer überdurchschnittlich hohen Zahl von Krebstoten. Hier gibt es einen Link zu einer Reportage von Deutschlandradio Kultur. Und hier der Audio-Link dazu (am Ende des Textes!).

Alle Versuche der Angehörigen von Schäfern, Landwirten und Militärs und deren Freunden, die in den vergangenen Jahren vor allem am Hodgkin-Lyphom gestorben sind, das auf den Einsatz von urangereichter Munition und Thorium zurückgehen soll, sind bislang gescheitert. Auch sind hier mehrere auffällige Missbildungen bei Tieren aufgetreten, die auf den Einsatz hochgiftiger Munition und Nanopartikel zurückgehen soll, die Staatsanwaltschaft bei den Explosionen der Waffentests freigelegt wurden.

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